Seit dem letzten Blogbeitrag hat sich die Lawinensituation aufgrund des ruhigen Wetters stabilisiert, dennoch ist aufgrund der schlechten Schneedeckenbasis Vorsicht geboten.
Es handelt sich um die bekannte Situation „geringe Wahrscheinlichkeit – große Konsequenz“: Lawinen können nur mehr an wenigen Stellen durch Wintersportler ausgelöst werden, sie können vereinzelt aber noch groß werden.
Die Gefahrenstellen befinden sich vor allem an sehr steilen Hängen der Expositionen West über Nord bis Ost oberhalb von ca. 2000 m. Vorsicht ist vor allem an Übergangsbereichen von wenig zu viel Schnee geboten (hier können die bodennahen Schwachschichten leichter gestört werden) und allgemein im wenig begangenen Gelände. In der Höhe muss im Steilgelände auch die Abrutschgefahr auf der harten Schneeoberfläche beachtet werden.
Pulvriger, kantig aufgebauter Schnee in einem Nordhang an der Tiergartenspitze, in Langtaufers. (Foto: Josef Plangger, 06.03.2026)In Nordhängen ist die Schneeoberfläche häufig kantig aufgebaut, es liegt aber weniger Schnee als normal in dieser Jahreszeit. Ein Bild aus den Pfunderer Bergen, Bereich Kreuzspitze. (Foto: Tobias Engl, 09.03.2026)An der Beobachterstation von Melag liegt die Schneehöhe unter dem langjährigen Mittel.Am Mittwoch 11. März gab es lokal etwas Neuschnee, wie hier an der Zermaidscharte im Passeiertal, wo man somit in etwas frischem Pulverschnee abfahren konnte. (Foto: Thomas Brunner, 12.03.2026)Oberflächenreif im Schnalstal. Aktuell ist diese Schneeoberfläche schön zum Skifahren, wird sie jedoch eingeschneit kann sie eine neue Schwachschicht für Schneebrettlawinen darstellen. (Ludwig Gorfer, 08.03.2026)Schöner Oberflächenreif an der Zunderspitze in Ridnaun. (Norbert Eccli, 08.03.2026)An steilen Sonnenhängen gab es am vergangenen Wochenende schon schönen Firn zu genießen, mit günstigen Verhältnissen in der Früh. In dieser Woche nahm dann die Schneequalität aufgrund der bedeckten Nächte ab. Hier im Bild ist die Schneedecken schon aufgeweicht und feucht. Ein Bild von der Nockspitze, in Langtaufers. (Foto: Josef Plangger, 07.03.2026)
Auch das Nassschneeproblem hat sich etwas stabilisiert, obwohl der Saharasand in der Atmosphäre teilweise die Ausstrahlung der Schneedecke reduziert hatte. Aufgrund der Sonneneinstrahlung steigt im Laufe des Tages an sehr steilen Sonnenhängen die Gefahr von Nassschneelawinen etwas an.
Saharasand im Obervinschgau. Bei Vorhandensein von Saharasand sind Vorhersagen zur Bewölkung unsicherer, da die Sandkörner in der Atmosphäre als Kondensationskerne für die Wolkenbildung wirken können. Wolken reduzieren die Abstrahlung und somit die Abkühlung der Schneedecke, die dann in der Früh möglicherweise nicht wiedergefroren ist. Auch kann die diffuse Strahlung zudem die Anfeuchtung der Schneedecke begünstigen. (Foto: Josef Plangger, 06.03.2026)
Aus dem Gelände wurden nur mehr vereinzelt Risse und Setzungsgeräusche gemeldet, auch Lawinen wurden kaum mehr gemeldet. Die Schneeprofile und die durchgeführten Stabilitätstests bestätigen jedoch die latente Gefahr aufgrund des schwachen Altschnees: V.a. mit großer Zusatzbelastung (z.B. zu Fuß ohne Ski) können Lawinen weiterhin in der Schneedeckenbasis ausgelöst werden.
Schneedeckenuntersuchung in der Nähe der Station Piz La Ila im Gadertal, an einem Westhang auf 2000 m. Bei einem ECT-Test kam es beim achten Schlag aus dem Handgelenk zu einem Bruch in der Basis aus Becherkristallen, der sich durch den gesamten Block ausbreitete. Im Inneren der Schneedecke befindet sich eine Schicht aus Oberflächenreif, die jedoch nicht reagierte. An der Oberfläche befindet sich Oberflächenreif. Der starke Temperaturgradient an der Schneeoberfläche begünstigt hier die aufbauende Umwandlung der Kristalle. (Quelle: lawis.at)Schneedeckenuntersuchung oberhalb der Mairl Bergstation im Skigebiet Obereggen, Latemar an einem Nordwesthang auf 2340 m. Bei einem ECT-Test kam es beim achten Schlag aus dem Ellbogen zu einem Bruch, der sich über den gesamten Block ausbreitete. Auch hier kam es in der schwachen Basis aus Becherkristallen zum Bruch. An der Oberfläche befindet sich Graupel, der sich durch Schneeschauer ablagerte. (Quelle: lawis.at)ECT Test an einem Nordwesthang auf 1930 m am Karerpass. Beim zweiten Schlag aus der Schulter kam es zu einem Bruch mit Fortpflanzung in der schlechten Basis. (Foto: Dieter Demetz, 10.03.2026)Nasse Lawine am Pralongiaim Gadertal, an einem Westhang auf 2160 m. (Foto: Forststation Stern Abtei, 05.03.2026).
Ausblick
In der Nacht von Samstag auf Sonntag bringt eine Störung aus Süden 5 bis 20 cm Neuschnee, lokal auch mehr, bei mäßigen bis starken Winden aus südlichen Richtungen. In Schattenhängen in Kammnähe bilden sich somit störungsanfällige Triebschneepakete, während an steilen, sonnenexponierten Hängen nach dem Neuschnee mit der Sonneneinstrahlung kleine Nassschneelawinen zu erwarten sind.
Die täglich aktuelle Lawinengefahrenprognose gibt es auf lawinen.report.
Neuschneeprognose für die Ortlergruppe auf 2625 m. (Fonte: Geosphere Austria)
Lawinenunfall am Zendleser Kofel, 06.03.2026
Ein Skitourengeher befand sich in der Abfahrt zwischen dem Zendleser Kofel und der Schlüterhütte, als er von einer Lawine erfasst wurde. Der Skitourengeher wurde von der Lawine etwa hundert Meter weit mitgerissen und blieb schließlich unverletzt an der Oberfläche liegen. Nachdem er die Notrufzentrale über den glimpflichen Ausgang informiert hatte, kehrte er selbstständig ins Tal zurück.
Es handelt sich um eine mittelgroße, nasse Lawine (Größe 2), die sich an einem Südwesthang auf ca. 2340 m Höhe mit einer Neigung zwischen 31° und 35° gelöst hat.
Bild der Unfalllawine. (Foto: Anonimo, 06.03.2026)