Gefährliche Lawinensituation, große Lawinengefahr der Stufe 4 – Analyse der letzten Lawinenunfälle

Mit Neuschnee und starkem bis stürmischem Wind steigt die Lawinengefahr an. Die Bedingungen für Skitouren sind gefährlich, Vorsicht ist geboten.

Heute (19. Februar) bringt eine Südströmung Schnee ins Land. Insgesamt werden an die 15 bis 30 cm Neuschnee erwartet. Mit Niederschlagsbeginn wehte der Wind noch stark aus südlichen Richtungen, um sodann am Nachmittag auf Nord zu drehen und stark bis stürmisch zu werden. Der Wind verfrachtet den Neuschnee intensiv und es bilden sich oberhalb der Waldgrenze auf allen Expositionen frische Triebschneeansammlungen.

Neuschneevorhersage von Donnerstag, 19.02.2026, 01.00 Uhr bis Freitag, 20.01.2026, 01.00 Uhr.

Der Neuschnee und der Triebschnee werden auf einer schwachen Altschneedecke abgelagert, vor allem in West- Nord- und Osthängen. Es herrscht ein ausgeprägtes Altschneeproblem.

Schneedeckenuntersuchungen und Beobachtungen von Alarmzeichen (Risse, Setzungsgeräusche, Fernauslösungen und spontane Lawinen) bestätigen die schwache Altschneedecke.

Zusammenfassend ist die Lawinengefahr fast im ganzen Land auf groß – Gefahrenstufe 4, angestiegen. Es werden spontane Lawinen erwartet, vereinzelt auch große (Größe 2).

Die Bedingungen für Skitouren sind gefährlich: es braucht große Vorsicht, steile Hänge (>30°) sollten gemieden werden. Lawinen können auch aus der Ferne ausgelöst werden.

Schneedeckenuntersuchung durchgeführt am Freitag, 13.02.2026 in einem Osthang auf ca. 2320 m neben der Henne (Weißenbach, Ahrntal). Auf einer schwachen Basis aus großen Becherkristallen erkennt man eine Abfolge aus Krusten und kantigen Kristallen unter gebundenen Schichten an der Oberfläche. Bei der Durchführung zweier Stabilitätstests (ECT) konnte unter der untersten Schmelzkruste beim 3. bzw. 4. Schlag aus dem Handgelenk ein Bruch ausgelöst und durch den ganzen Block fortgepflanzt werden. Dies zeigt die große Instabilität der Altschneedecke. (Quelle: lawis.at)
Schneedeckenuntersuchung in der Val Medesc im Gadertal, in einem Nordwesthang auf ca. 2250 m von Freitag 13.02.2026. Auch in den Dolomiten ist die Altschneedecke schwach und besteht aus einer Basis aus großen Becherkristallen, darüber einer Abfolge aus Schmelzkrusten und kantigen Kristallen unter einem gebunden Brett an der Oberfläche. Während eines ECTs konnten zwei Brüche durch den gesamten Block hervorgerufen werden: einmal beim sechsten Schlag aus dem Handgelenk unter dem Schneebrett an der Oberfläche und einmal beim zweiten Schlag aus dem Ellbogen oberhalb der Basis aus Becherkristallen. (Quelle: lawis.at)
Schneeprofil neben der Sesvennascharte im oberen Vinschgau an einem Ort mit überdurchschnittlicher Schneehöhe. Die Basis der Schneedecke besteht hier aus ca. 65 (!) cm Tiefenreif und liegt unter gebundenen Schichten. An der Schneeoberfläche erkennt man Oberflächenreif, der in der Zwischenzeit schon wieder eingeschneit wurde. Bei einem ECT konnte beim 8. Schlag aus der Schulter ein Bruch unterhalb der gebundenen Schichten ausgelöst und fortgepflanzt werden. (Quelle: lawis.at)
Risse in der Schneedecke bei der Kalkwandstange am Brenner. (Foto: Pauli Trenkwalder, 13.02.2026)
Becherkristalle von der Basis der Schneedecke In den Wänden im Ultental. (Foto: Herbert Thaler, 18.02.2026)

Rückblick

Am Samstag 14. Februar hat eine Südströmung bis zu 20 cm Neuschnee gebracht, lokal auch mehr. Am meisten schneite es in der Ortlergruppe und im oberen Vinschgau. Während des ganzen Wochenendes wehte der Wind stark aus unterschiedlichen Richtungen und hat den Schnee verfrachtet und auf einer schwachen Altschneedecke abgelagert. Dadurch haben sich in allen Expositionen frische Triebschneeansammlungen gebildet.

Sastrugi (Windzeichen) am Fleckner in Ratschings. Die steile Seite der Sastrugi schaut immer in Windrichtung, d.h. in diesem Fall der Wind „wehte“ von unten nach oben über das Bild. (Foto: Thomas Engl, 15.02.2026)
Triebschneefahnen im Hinteren Eis im Schnalstal. (Foto: Ludwig Gorfer, 15.02.2026)

Montag (16.02.2026) und Dienstag (17.02.2026) hat eine Störung aus Nordwest bis zu 30 cm Neuschnee gebracht; am meisten von den Niederschlägen betroffen waren die Ortlergruppe und das obere Vinschgau. Während der Schneefälle wehte der Wind stark bis stürmisch aus Nordwest und verfrachtete die weiche Altschneeoberfläche und den frischen Neuschnee intensiv. Weitere Triebschneepakete waren das Ergebnis.

In den Hauptniederschlagsgebieten wurde große Lawinengefahr der Stufe 4 erreicht. Rückmeldungen aus dem oberen Vinschgau (Rojen, Langtaufers und Schnalstal) haben die Gefahrenstufe bestätigt.

Neuschnee auf der Alm von Lidofens im Pflerschertal. (Foto: Hubert Eisendle, 17.02.2026)

Vor allem am Wochenende haben wir viele Rückmeldungen von spontanen Lawinen und Fernauslösungen bekommen. Es folgen einige Bilder aus dem Gelände:

Spontane Schneebrettlawine in ostexponierten Gelände, auf ca 3000 m an der südlichen Schwemser Spitze in Schnals. (Foto: Ludwig Gorfer, 18.02.2026)
Große spontane Schneebrettlawine in ostexponiertem Gelände, Anbruch auf ca. 2700 m, unterhalb des Gr. Moosstock in der Durreckgruppe in Rein in Taufers. (Foto: Gabriel Steger, 18.02.2026)
Spontane große Schneebrettlawine unterhalb des Hochgalls im Antholzertal. Der Anbruch befindet sich auf fast 3000 m in einem südexponierten Steilhang. (Foto: Rudi Leitgeb, 18.02.2026)
Mittelgroße Schneebrettlawine (Größe 2). Sie wurde in der Abfahrt von der Zahnkofelscharte auf etwa 2540 m in der Langkofelgruppe fernausgelöst. Der Anbruchhang ist nordexponiert und um 35° steil. (Foto: Pierpaolo Macconi, 15.02.2026)
Kleine bis mittlere, fernausgelöste Schneebrettlawinen am Piz Sesvenna im oberen Vinschgau. Die Anbrüche liegen in Nordhängen auf etwa 2800 m. (Foto: Sebastian Westrich, 15.02.2026)
Breite, ausgelöste Schneebrettlawine im nordwestexponierten Gelände am Terner Jöchl auf ca. 2300 m oberhalb von Terenten im Pustertal. Die Lawinengröße ist hier schwer zu definieren, da nicht der gesamte Hang einsehbar ist. (Foto: Herbert Plaickner, 13.02.2026)
Fernausgelöste, mittelgroße (Größe 2) Lawine im südexponierten Gelände zwischen Kleinem Hansenohr und Hasenohr im Ultental. Der Anbruch befindet sich in ca. 35° steilem Gelände auf etwa 3000 m. (Foto: Philipp Troschl, 13.02.2026)

Wir möchten darauf hinweisen, dass Sperrungen von Pisten, Loipen und Wanderwegen dringend befolgt werden müssen. Neben der Gefahr von spontanen Lawinenabgängen können diese Sperrungen auch notwendig sein, da Lawinensprengungen durchgeführt werden.

Lawinenhinweisschilder im Skigebiet Meran 2000. Sperrungen von Wegen sind zu befolgen. (Foto: Christoph Oberschmied, 08.02.2026).

Ausblick

Am kommenden Samstag gibt es am Alpenhauptkamm noch etwas Neuschnee, abseits davon bleibt es trocken, der Wind weht weiterhin stark. Damit bleibt die Lawinensituation weiterhin kritisch, große Zurückhaltung ist angebracht. Für die aktuellsten Infos bitte täglich den Lawinenreport konsultieren.

Prognostizierte Neuschneemengen für das hintere Ahrntal auf ca. 2200 m. (Fonte: Geosphere Austria)

Analyse des Lawinenunfalls Speikkofel – Pflersch, 13.02.2026

Zwei Skitourengeher stiegen von Innerpflersch über die Lidofens Alm in Richtung Speikkofel auf. Oberhalb der Waldgrenze befand sich auf einer mit Ski tragfähigen, vertrauenerweckenden Schicht ca. 15-20 cm lockerer Schnee: Das Spuren war somit relativ einfach und weckte ein trügerisches Bild einer stabilen Schneedecke. Alarmzeichen gab es kaum, mit dem Stocktest konnte die schlechte Schneedeckenbasis aber bestätigt werden. Als sie sich auf einer kleinen, flachen Ebene westlich des Speikkofels im Pflerschtal auf etwa 2400 m Höhe befanden beendeten sie ihren Aufstieg, und verzichteten bewusst (aus Sicherheitsgründen) auf den letzten Hang. Sie stiegen aus ihren Skiern heraus und brachen bis zum Boden durch. Dadurch übten sie eine große Zusatzbelastung auf die Schneedecke aus. Infolgedessen kam es zu einer Fernauslösung einer Lawine im Hang oberhalb von ihnen. Die mittelgroße Lawine löste sich kammnah im nordost-exponierten Steilgelände, erreichte die zwei Männer (ein Entkommen im tiefen Schnee war ohne Ski in den wenigen Sekunden nicht möglich) in der Ebene und riss sie ca. 15 m mit. Sie kamen unverletzt an der Oberfläche zu liegen. Nach etwa einer Stunde konnten sie ihre Ski und Rucksäcke wieder finden und selbständig ins Tal abfahren. Der Unfall wurde von ihnen bei der Landesnotrufzentrale gemeldet, um keinen unnötigen Rettungseinsatz auszulösen.

Bild der Unfalllawine. Die zwei Tourengeher befanden sich im flachen Bereich am rechten Bildrand als die Lawine ausgelöst wurde. (Foto: 13.02.2026)

Analyse des Lawinenunfalls an der Weißbach Alm – Gsies, 15.02.2026

Vier Skitourengeher befanden sich im Aufstieg in der Nähe der Weißbach Alm in Gsies, als eine Lawine ausgelöst wurde und eine Person mitriss. Diese wurde teilverschüttet und wurde leicht verletzt, konnte allerdings noch selbständig abfahren.

Bild der Unfalllawine. Es handelt sich um eine mittlere Lawine (Größe 2), sie löste sich an einem Osthang auf ca. 2100 m, die Steilheit im Anbruchgebiet wird auf 31° e 35° geschätzt. (Foto: 15.02.2026).

Analyse des Lawinenunfalls auf dem Langenferner – Martell, 18.02.2026

Zwei Tourengeher fuhren über den Langenferner ab und befanden sich unterhalb der Casati Hütte als sie von einer wahrscheinlich fernausgelösten Lawine mitgerissen wurden. Die zwei Männer wurden teilweise verschüttet, konnten sich aber glücklicherweise selbst aus den Schneemassen befreien. Sie mussten jedoch vom Rettungshubschrauber geborgen werden, da sie ihre Ski verloren hatten.

Es handelt sich um eine große Lawine (Größe 3), der Anbruch liegt auf ca. 3300 m im südostexponierten Gelände, die maximale Steilheit im Anbruchgebiet liegt geschätzt zwischen 36 und 40°.

Foto der Unfalllawine. (Foto: Bergrettung Martell, 18.02.2026)