Turbulentes Wetter und anhaltende Altschneeproblematik

In den bevorstehenden Tagen erwartet uns recht turbulentes Wetter mit Niederschlägen, teils starkem Wind und einem auf und ab der Temperaturen. Neu- und Triebschnee werden dabei auf eine sehr schwache Schneedecke abgelagert. Die Gefahrenstellen nehmen damit wieder zu – Lawinen können schon von einzelnen Personen ausgelöst werden. Alarmzeichen wie Wummgeräusche und Risse können auf die Gefahr hinweisen. Die Situation bleibt also großteils ungünstig und erfordert Vorsicht und Zurückhaltung.

Schneedecke und Lawinensituation

Der Schneedeckenaufbau an West-, Nord und Osthängen im Bereich der Waldgrenze und oberhalb zeigt sich verbreitet schwach. Im unteren oder mittleren Teil der Schneedecke finden sich Schwachschichten aus großen kantigen Kristallen oder Tiefenreif – teils unter oder oberhalb von Schmelzkrusten. Weiter oben in der Schneedecke kann gebietsweise und besonders in etwas geschützten Bereichen eingeschneiter Oberflächenreif angetroffen werden.

Exemplarisches Schneeprofil aus den Westlichen Tuxer Alpen. Es sind ausgeprägte Schwachschichten in Form von Tiefenreif, kantigen Kristallen und Oberflächenreif im mittleren und oberen Teil der Schneedecke erkennbar. An diesem Standort fehlt ein gebundenes Brett oberhalb der Schwachschichten, weshalb hier in Stabilitätstests nur Teilbrüche erzeugt werden konnten.
Exemplarisches Schneeprofil aus den Westlichen Tuxer Alpen. Es sind ausgeprägte Schwachschichten in Form von Tiefenreif, kantigen Kristallen und Oberflächenreif im mittleren und oberen Teil der Schneedecke erkennbar. An diesem Standort fehlt ein gebundenes Brett oberhalb der Schwachschichten, weshalb hier in Stabilitätstests nur Teilbrüche erzeugt werden konnten.

In Osttirol hat sich mit den Schneefällen vergangene Woche oberhalb dieser Schwachschichten ein sehr gutes Brett ausgebildet. Besonders am Wochenende und zu Wochenbeginn haben uns von dort zahlreiche Rückmeldungen von Lawinen, Fernauslösungen und Alarmzeichen erreicht, welche die ungünstige Situation bestätigten. Immer noch und über das Wochenende hinaus muss man dort von zahlreichen Stellen ausgehen, wo besonders im sehr steilen, schattseitigen Gelände Schneebrettlawinen leicht ausgelöst werden können. Weil dort rund 40 bis 100 cm Schnee oberhalb der Schwachschichten liegen, können Lawinen in entsprechendem Gelände vereinzelt auch groß werden.

Eindrückliches Bild aus den Karnischen Alpen in Osttirol: Mit dem Schneefall vom Mittwoch, 04.02. wurde Oberflächenreif eingeschneit, welcher als sehr störanfällige Schwachschicht fungierte und zu zahlreichen spontanen Lawinenabgängen führte. Einige dieser Schneebrettlawinen rissen bis in das bodennahe Altschneefundament durch (©Gerhard Figl, 08.02.2026).
Eindrückliches Bild aus den Karnischen Alpen in Osttirol: Mit dem Schneefall vom Mittwoch, 04.02. wurde Oberflächenreif eingeschneit, welcher als sehr störanfällige Schwachschicht fungierte und zu zahlreichen spontanen Lawinenabgängen führte. Einige dieser Schneebrettlawinen rissen bis in das bodennahe Altschneefundament durch (©Gerhard Figl, 08.02.2026).

In Nordtirol ist die Anzahl an Rückmeldungen von frischen Lawinen und Alarmzeichen letzthin etwas zurückgegangen. Dies hat v.a. damit zu tun, dass das Schneebrett hier aufgrund von Hochdruckwetter und dadurch bedingter aufbauender Umwandlung sehr langsam aber doch an Bretteigenschaften verloren hat und Brüche nicht mehr ganz so gut fortzupflanzen vermochte.

Mit etwas Neuschnee und insbesondere mit dem starken bis stürmischen Westwind, welcher am Dienstag, 10.02. eingesetzt hat, hat sich dieser Trend wieder umgekehrt. Auch wurde mit dem Neu- und Triebschnee – dort wo der Wind oder Wärme ihn nicht vorher zerstört hatte – erneut Oberflächenreif überlagert. Mit den Niederschlägen in den nächsten Tagen wird die Situation dann zunehmend wieder ungünstiger werden. Schneebrettlawinen können auch hier leicht ausgelöst werden und mittlere Größe erreichen. Vorsicht besonders in mit Triebschnee gefüllten Rinnen und Mulden!

In den vergangenen 48 Stunden hat es v.a. im Bereich der Lechtaler und Allgäuer Alpen etwas geschneit (©GeoSphere Austria)
In den vergangenen 48 Stunden hat es v.a. im Bereich der Lechtaler und Allgäuer Alpen etwas geschneit (©GeoSphere Austria)
Teils stürmischer Wind aus westlichen Richtungen sorgte für Schneeverfrachtung und neuen, teils störanfälligen Triebschneepaketen.
Teils stürmischer Wind aus westlichen Richtungen sorgte für Schneeverfrachtung und neuen, teils störanfälligen Triebschneepaketen.
In der Wetterstationsgrafik aus der Weißkugelgruppe ist der kräftige Westwind der vergangenen Tage gut zu erkennen. Dieser sorgte für die Bildung von frischen Triebschneeansammlungen v.a. in Rinnen und Mulden.
In der Wetterstationsgrafik aus der Weißkugelgruppe ist der kräftige Westwind der vergangenen Tage gut zu erkennen. Dieser sorgte für die Bildung von frischen Triebschneeansammlungen v.a. in Rinnen und Mulden.
Fernausgelöste Schneebrettlawine an einem Westhang auf ca. 2600m in der Gurgler Gruppe (©Hugo Reindl, 11.02.2026).
Fernausgelöste Schneebrettlawine an einem Westhang auf ca. 2600m in der Gurgler Gruppe (©Hugo Reindl, 11.02.2026).
Die frischen Triebschneepakete liegen nun teilweise auf Oberflächenreif und können so leicht ausgelöst werden (©LWD Tirol, 10.02.2026).
Die frischen Triebschneepakete liegen nun teilweise auf Oberflächenreif und können so leicht ausgelöst werden (©LWD Tirol, 10.02.2026).
Vermutlich ein Wechtenbruch unterhalb des nördlichen Ramolkogels in der Gurgler Gruppe hat am Mittwoch, 11.02. zur Auslösung dieser großen bis sehr großen Schneebrettlawine im Putzachkar geführt. Die Gesamtlänge vom Anriss bis zur Ablagerung beträgt rund 2 km (©Hugo Reindl, 12.02.2026).
Vermutlich ein Wechtenbruch unterhalb des nördlichen Ramolkogels in der Gurgler Gruppe hat am Mittwoch, 11.02. zur Auslösung dieser großen bis sehr großen (3-4) Schneebrettlawine im Putzachkar geführt. Die Gesamtlänge vom Anriss bis zur Ablagerung beträgt rund 2 km. Es kam niemand zu Schaden (©Hugo Reindl, 12.02.2026).

Weiterer Wetterverlauf: Turbulent

Die GeoSphere Austria prognostiziert in den kommenden Tagen ein recht wechselhaftes Wettergeschehen. Allgemein befinden wir uns in einer nachhaltig starken Westströmung, in welcher immer wieder feuchte Luftmassen an die Alpen herangetragen werden.

Bis Mitte nächster Woche kommt so besonders in Nordtirol und am Hauptkamm immer wieder etwas Neuschnee dazu. Der erste Schwung erreicht uns in der Nacht auf Freitag, 13.02. In Nordtirol ist recht verbreitet mit 15 bis 20cm Neuschnee zu rechnen. In der Nacht auf Sonntag ist nochmals etwa mit derselben Größenordnung an Neuschnee zu rechnen. Und Anfang nächster Woche sind mit einer Warmfront neuerlich Niederschläge zu erwarten – welche mitunter auch ergiebig ausfallen können.
Bis Mitte nächster Woche kommt so besonders in Nordtirol und am Hauptkamm immer wieder etwas Neuschnee dazu. Der erste Schwung erreicht uns in der Nacht auf Freitag, 13.02. In Nordtirol ist recht verbreitet mit 15 bis 20cm Neuschnee zu rechnen. In der Nacht auf Sonntag ist nochmals etwa mit derselben Größenordnung an Neuschnee zu rechnen. Und Anfang nächster Woche sind mit einer Warmfront neuerlich Niederschläge zu erwarten – welche mitunter auch ergiebig ausfallen können.
Markant ist der Temperaturabfall in der Nacht auf Sonntag, 15.02.2026. Der prognostizierte Niederschlag soll bis in Tallagen als Schnee fallen (©GeoSphere Austria).
Markant ist der Temperaturabfall in der Nacht auf Sonntag, 15.02.2026. Der prognostizierte Niederschlag soll bis in Tallagen als Schnee fallen (©GeoSphere Austria).

Die Wetterentwicklung sorgt also dafür, dass sich wieder ein gutes Schneebrett ausbilden kann und sich so Brüche in den oben genannten Schwachschichten fortpflanzen können. Sofern die prognostizierten Schneefälle so eintreten, ist somit wieder mit einer Zeit höherer Lawinenaktivität zu rechnen.

Aufgrund der hohen Störanfälligkeit und weiten Verbreitung der Schwachschichten sind Fernauslösungen wieder vermehrt möglich. Gefahrenstellen sind auch für geübte kaum zu erkennen. Vorsicht und Zurückhaltung bleiben wichtige Werkzeuge im Umgang mit der bevorstehenden Gefahrensituation.

Frische Lawinen, Risse oder Wummgeräusche sind Alarmzeichen und weisen auf die Gefahr hin (©Hugo Reindl, 07.02.2026).
Frische Lawinen, Risse oder Wummgeräusche sind Alarmzeichen und weisen auf die Gefahr hin (©Hugo Reindl, 07.02.2026).

Wie lange bleibt uns das Altschneeproblem diesen Winter noch erhalten?

Die kurze Antwort lautet: bis zum Abschmelzen der Schneedecke.

Der aktuelle Schneedeckenaufbau lässt keine maßgebliche Veränderung des bisherigen Charakters dieses Winters erhoffen. Das weitverbreitet sehr schwache Fundament der Schneedecke mit besonders gut ausgebildeten Schwachschichten in Form von großen kantigen Kristallen oder Tiefenreif hat die Eigenschaft, über einen ganzen Winter immer wieder aufzuflammen und für Zeiten erhöhter Lawinengefahr zu sorgen. Ein Aufflammen geschieht dann, wenn das Wettergeschehen für ein besser ausgeprägtes Brett über der Schwachschicht sorgt – zumeist in Verbindung mit Schneefällen und/oder Wind – einer Situation also, welche uns in den kommenden Tagen wieder bevorsteht.

Die ausgeprägten Schwachschichten in Form von großen kantigen Kristallen und Tiefenreif werden uns diesen Winter bis zum finalen Abschmelzen der Schneedecke beschäftigen (©Till Rehm, 10.02.2026).
Die ausgeprägten Schwachschichten in Form von großen kantigen Kristallen und Tiefenreif werden uns diesen Winter bis zum finalen Abschmelzen der Schneedecke beschäftigen (©Till Rehm, 10.02.2026).
Das Altschneeproblem wird den Charakter dieses Winters in wechselnder Ausprägung bis zum Abschmelzen der Schneedecke prägen (©Günter Chwojan, 31.01.2026).
Das Altschneeproblem wird den Charakter dieses Winters in wechselnder Ausprägung bis zum Abschmelzen der Schneedecke prägen (©Günter Chwojan, 31.01.2026).

Nach solchen Situationen höherer Störanfälligkeit und/oder Lawinenaktivität erfolgt dann stets nur eine sehr langsame Beruhigung bzw. Verbesserung der Situation. Diese Verbesserung kann zwei Ursachen haben: (1) das Brett wird aufgrund von aufbauender Umwandlung bei Hochdruckwetter zusehends „aufgefressen“ – und kann Brüche nicht mehr gut fortpflanzen. Oder (2) es liegt bedeutend mehr Schnee oberhalb der Schwachschicht, welches einerseits dazu führt, dass die Schwachschicht an weniger Stellen gestört und als Lawine ausgelöst werden kann, und andererseits, dass die Schneeauflast und der geringere Temperaturgradient in der Schwachschicht zu einer allmählichen Versinterung und somit Verstärkung der Kontaktpunkte zwischen den einzelnen Schneekristallen führt.

Was in beiden Situationen heimtückisch bleibt: Auch wenn die Gefahrenstellen durch die beschriebenen Prozesse langsam abnehmen mögen, sind solche verbleibende Stellen im Gelände nicht sichtbar und es können an solchen Hotspots weiterhin Schneebrettlawinen im Altschnee initiiert werden. In den schneereicheren Regionen können diese dann auch große Ausmaße annehmen. Dies bezeichnen wir dann oft als „low risk – high consequences“- Szenario: Ein „schlummerndes“ Altschneeproblem, welches dann aufgrund der Verteilung der Gefahrenstellen oft mit Gefahrenstufe 2 einhergeht.

Ein solcher Altschneewinter endet dann im Regelfall in einem „Grande Finale“ im Frühjahr, wenn die Schwachschicht das erste Mal durchfeuchtet wird und zahlreiche – je nach Schneemächtigkeit mitunter große bis sehr große – Lawinen abgehen.

Eine wesentliche, nachhaltige Besserung im laufenden Winter wäre nur durch eine massive Belastung der Schneedecke durch markante Niederschlagsereignisse oder aber Wärmeeintrag bis zur Schwachschicht möglich, welche diese ausräumt und einen Neustart der Schneedeckenentwicklung mit sich bringen würde. Beide Ereignisse sind extrem unwahrscheinlich.

Lawinenunfall Schafseitenspitze

Neben rund 20 weiteren Lawinenabgängen, welche uns von der Leitstelle, von unseren BeobachterInnen sowie SNOBS in den vergangenen 7 Tagen rückgemeldet worden sind, kam es am Sonntag, 08.02. auch zu einem glimpflich ausgegangenen Lawinenunfall an der Schafseitenspitze (2602m) oberhalb von Navis.

In der Abfahrt in einem extrem steilen, nach NO- exponierten Hang südlich des Gipfelaufbaus des Schafseitenspitze in den westlichen Tuxer Alpen, löste sich eine Schneebrettlawine, welche eine Person rund 500 Höhenmeter mitriss. Der Begleiter konnte die Bergrettung alarmieren. Beide Personen blieben unverletzt.

Anrissbereich der Unfalllawine an der Schafseitenspitze in den westlichen Tuxer Alpen (©Alpinpolizei, 08.02.2026).
Anrissbereich der Unfalllawine an der Schafseitenspitze in den westlichen Tuxer Alpen (©Alpinpolizei, 08.02.2026).
Die Lawine erstreckte sich über 500 hm. Wie durch ein Wunder blieb die mitgerissene Person unverletzt (©Alpinpolizei, 08.02.2026).
Die Lawine erstreckte sich über 500 hm. Wie durch ein Wunder blieb die mitgerissene Person unverletzt (©Alpinpolizei, 08.02.2026).
Eingegangene Meldungen über Lawinenabgänge in den vergangenen 7 Tagen. Die meisten davon wurden uns am Wochenende vom 07. Und 08. Februar gemeldet.
Eingegangene Meldungen über Lawinenabgänge in den vergangenen 7 Tagen. Die meisten davon wurden uns am Wochenende vom 07. Und 08. Februar gemeldet.