Mitunter hohe Auslösebereitschaft von Schneebrettlawinen. Sellraintal (© Gerhard Baumann, 29.01.2026)

Gebietsweise für WintersportlerInnen gefährliche und wiederum sehr unfallträchtige Lawinenzeit!

Die Kombination aus Neuschnee, Wind und einer sehr schwachen Schneedecke hat die Lawinengefahr gebietsweise ansteigen lassen. In den südlichen Ötztaler Alpen sowie im südwestlichen Osttirol herrscht oberhalb der Waldgrenze große Lawinengefahr („WintersportlerInnen-Groß“). Zahlreiche Rückmeldungen über Alarmzeichen, wie spontanen Lawinenabgängen samt Fernauslösungen sowie Setzungsgeräuschen und Rissbildungen weisen eindrucksvoll auf die Störanfälligkeit der Schneedecke hin! Lawinen sind meist mittelgroß, in den neuschneereicheren Regionen können diese auch groß werden.

Wir raten deshalb wieder einmal zu defensivem Verhalten während der kommenden Tage!

Alarmzeichen – unmissverständliche Hinweise auf eine schwache Schneedecke

Parallel einhergehend mit dem seit Sonntag, den 26.01. gefallenen Neuschnee häuften sich zumindest in den niederschlagsreicheren Gebieten Rückmeldungen über Alarmzeichen. Alarmzeichen sind unmissverständliche Hinweise auf eine kritische Lawinensituation und sollten ernst genommen werden! Entsprechend raten wir dringend, das Verhalten an die Lawinensituation anzupassen. Hier ein paar Fotos zur Veranschaulichung der Situation:

Fernauslösung in der Region Deferegger Alpen Ost (© LWD Tirol, 29.01.2026)
Fernauslösung in der Region Deferegger Alpen Ost (© LWD Tirol, 29.01.2026)
Fernauslösung in den Kalkkögeln (© Jan Wördenweber, 27.01.2026)
Fernauslösung in den Kalkkögeln (© Jan Wördenweber, 27.01.2026)
Spontane Lawinenabgänge auf Böschungen in Sankt Jakob im Defereggen (© Mark Kleinlercher, 20.01.2026)
Spontane Lawinenabgänge auf Böschungen in Sankt Jakob im Defereggen (© Mark Kleinlercher, 20.01.2026)
Spontanes Schneebrett am Karnischen Kamm (© Hansjörg Schneider, 26.01.2026)
Spontanes Schneebrett am Karnischen Kamm (© Hansjörg Schneider, 26.01.2026)
Spontaner Lawinenabgang  in der Samnaungruppe (© Martin Santeler, 29.01.2026)
Spontaner Lawinenabgang in der Samnaungruppe (© Martin Santeler, 29.01.2026)
Personenausgelöstes Schneebrett in der Region Deferegger Alpen Ost (© Mark Kleinlercher, 26.01.2026)
Personenausgelöstes Schneebrett in der Region Deferegger Alpen Ost (© Mark Kleinlercher, 26.01.2026)
Bei der Abfahrt löste sich ein Schneebrett. Bergerkogel - Venediger Gruppe Süd (© Alois Mariacher, 27.01.2026)
Bei der Abfahrt löste sich ein Schneebrett. Bergerkogel – Venediger Gruppe Süd (© Alois Mariacher, 27.01.2026)
Rissbildung in den Lienzer Dolomiten (© Anton Riepler, 27.01.2026)
Rissbildung in den Lienzer Dolomiten (© Anton Riepler, 27.01.2026)
Rissbildungen auch in den Tuxer Alpen (© Reinhold Lackner, 29.01.2026)
Rissbildungen auch in den Tuxer Alpen (© Reinhold Lackner, 29.01.2026)

Skigebiete in den niederschlagsreicheren Regionen melden überdies sehr gute Sprengerfolge.

Sehr gute Sprengerfolge im Skigebiet (© Tobias Holzknecht)
Sehr gute Sprengerfolge im Skigebiet (© Tobias Holzknecht, 29.01.2026)
Auslösung von einigen, gering mächtigen Schneebrettlawinen in der Schlick (© Dominik Jenewein, 26.01.2026)
Auslösung von einigen, gering mächtigen Schneebrettlawinen in der Schlick (© Dominik Jenewein, 26.01.2026)

Hintergrundinformation zur Entstehung der neuerlichen Lawinenzeit

Ausführlich wurde in den vergangenen Blogeinträgen bereits auf den schlechten Schneedeckenaufbau während dieses Winters eingegangen.

An dem "Durchscheinprofil" erkennt man sehr gut luftreichere (Schwach-)Schichten innerhalb der Schneedecke. Felbertauern (© Stephan Aberger, 27.01.2026)
An dem „Durchscheinprofil“ erkennt man sehr gut luftreichere (Schwach-)Schichten innerhalb der Schneedecke. Felbertauern (© Stephan Aberger, 27.01.2026)
Ein Blick in die schwache Schneedecke in der Lasörling Gruppe: Die Basis der Schneedecke besteht aus Schwimmschnee und kantigen Kristallen, darüber lagert der kürzlich gefallene, an diesem Standort noch ziemlich lockere Neuschnee.
Ein Blick in die schwache Schneedecke in der Lasörling Gruppe: Die Basis der Schneedecke besteht aus Schwimmschnee und kantigen Kristallen, darüber lagert der kürzlich gefallene, an diesem Standort noch ziemlich lockere Neuschnee.
Ein ähnlich schwaches Schneeprofil in den Lienzer Dolomiten.
Ein ähnlich schwaches Schneeprofil in den Lienzer Dolomiten.
Beginnend von etwa 2400m / 2600m aufwärts findet man vermehrt auch in Südhängen mögliche Schwachschichten für Schneebrettlawinen.
Beginnend von etwa 2400m / 2600m aufwärts findet man vermehrt auch in Südhängen mögliche Schwachschichten für Schneebrettlawinen.
Entscheidend für die Gefahreneinschätzung ist u.a. auch, ob es vor den letzten Schneefällen aper oder schneebedeckt war, Region Zillertaler Alpen Nordwest (© Barbara Fink, 23.01.2026)
Entscheidend für die Gefahreneinschätzung ist u.a. auch, ob es vor den letzten Schneefällen aper oder schneebedeckt war, Region Zillertaler Alpen Nordwest (© Barbara Fink, 23.01.2026)
Wie schon im vergangenen Blogeintrag hingewiesen, wurde Oberflächenreif durch den Neuschnee eingeschneit - eine  weitere, von außen nicht erkennbare Schwachschicht. Lienzer Dolomiten (© Anton Riepler, 27.01.2026)
Wie schon im vergangenen Blogeintrag hingewiesen, wurde Oberflächenreif durch den Neuschnee eingeschneit – eine weitere, von außen nicht erkennbare Schwachschicht. Lienzer Dolomiten (© Anton Riepler, 27.01.2026)
Am 12.01. bildete sich während einer Warmfront eine dünne Schmelzkruste an der Schneeoberfläche. Darunter findet man inzwischen teilweise eine kantige Schicht als mögliche Schwachschicht. Betroffen ist v.a. ein Höhenband zwischen etwa 1700m und 1900m. (© Kristian Rath, 25.01.2026)
Am 12.01. bildete sich während einer Warmfront eine dünne Schmelzkruste an der Schneeoberfläche. Darunter findet man inzwischen teilweise eine kantige Schicht als mögliche Schwachschicht. Betroffen ist v.a. ein Höhenband zwischen etwa 1700m und 1900m. (© Kristian Rath, 25.01.2026)

Nun – nach einer sehr langen „Durststrecke“ hinsichtlich der Niederschläge – hat es, beginnend ab dem 24.01. auch im Süden des Landes etwas mehr geschneit. Meist waren es in Summe um 40cm, lokal auch mehr. Der Neuschnee wurde zumindest am Mittwoch, den 18.01. bei starkem Windeinfluss massiv verfrachtet. Dadurch bildeten sich frische Triebschneepakete, welche allerdings nachfolgend durch weiteren Neuschnee, der ohne Wind gefallen ist, überdeckt wurde. Gefahrenstellen sind somit kaum oder gar nicht mehr zu erkennen.

Gebietsweise wurde es winterlich, wie hier im Nahbereich von Sölden (© Peter Raich, 26.01.2026)
Gebietsweise wurde es winterlich, wie hier im Nahbereich von Sölden (© Peter Raich, 26.01.2026)
24h-Schneedifferenz am Sonntag, den 26.01.2026
24h-Schneedifferenz am Sonntag, den 26.01.2026
Weitere Schneefälle folgten bis zum 29.01.2026 (sh. 48h-Niederschlag auf der Kartendarstellung). In Summe am meisten geschneit hat es am Karnischen Kamm im Bereich der Porzehütte(© Hydro Online).
Weitere Schneefälle folgten bis zum 29.01.2026 (sh. 48h-Niederschlag auf der Kartendarstellung). In Summe am meisten geschneit hat es am Karnischen Kamm im Bereich der Porzehütte(© Hydro Online).
Neuschneezuwachs samt zeitweise starkem Windeinfluss bei der Sonnbergalm im hinteren Ötztal
Neuschneezuwachs samt zeitweise starkem Windeinfluss bei der Sonnbergalm im hinteren Ötztal
Der Wind als Baumeister der Lawinen verschärfte auch in den niederschlagsarmen Regionen neuerlich die Lawinensituation. Es bildete sich ein Brett, welches wiederum zu besserer Bruchausbreitung neigt.
Der Wind als Baumeister der Lawinen verschärfte auch in den niederschlagsarmen Regionen neuerlich die Lawinensituation. Es bildete sich (neuerlich) ein Brett, welches wiederum zu besserer Bruchausbreitung neigt.
Windeinfluss ist auch im Tal zu erkennen. Karnischer Kamm (© Gerhard Figl, 26.01.2026)
Windeinfluss ist auch im Tal zu erkennen. Karnischer Kamm (© Gerhard Figl, 26.01.2026)

Ebenso erwähnenswert

Einerseits selbst beobachtet, andererseits rückgemeldet: Kürzlich noch gut sichtbare Eisgallen wurden überschneit und sind deshalb als solche nicht mehr erkennbar. Konkretes Beispiel: Zustieg auf den Zwieselbacher Rosskogel von Haggen aus. (1.Zwinge) – Region Sellrain, Alpeiner Berge.

Archivbild einer Eisgalle. Sobald geringmächtig überschneit stellt diese eine potentielle Gefährdung dar. (© LWD Tirol)
Archivbild einer Eisgalle. Sobald geringmächtig überschneit stellt diese eine potentielle Gefahr dar. (© LWD Tirol)
In den kürzlich niederschlagsarmen Regionen weiter im Nordwesten und Nordosten des Landes beobachtet man einen steten, aber langsamen Stabilitätsgewinn der Schneedecke. Die Situation bleibt dort dennoch etwas heimtückisch.
In den kürzlich niederschlagsarmen Regionen weiter im Nordwesten und Nordosten des Landes beobachtet man einen steten, aber langsamen Stabilitätsgewinn der Schneedecke. Die Situation bleibt dort dennoch etwas heimtückisch.