Nach einer langen, sehr niederschlagsarmen und letzthin auch kalten Wetterperiode bringt ein Frontensystem besonders im Westen des Landes bis inklusive Sonntag, den 11.01.2026 ergiebige Schneefälle. Der Schnee fällt auf eine ungünstig aufgebaute Schneedecke. Die Konsequenz: Wir haben es zumindest in den Hauptniederschlagsgebieten spätestens ab Sonntag mit einer „Lawinenzeit“, also einer für WintersportlerInnen besonders unfallträchtigen Lawinensituation zu tun!
Zurückhaltung als Schlüssel zur Unfallprävention
Irgendwie ungut: Nach einer langen „Durststrecke“ mit stark unterdurchschnittlichen Schneehöhen kommt zumindest im Westen des Landes endlich der heiß ersehnte Schnee. Und genau dann sollte man auf der Bremse stehen und sich in Zurückhaltung üben!
Die Erklärung ist leicht:
Die gering mächtige Schneedecke ist verbreitet sehr schlecht aufgebaut. Im Nahbereich der Schneeoberfläche findet man ausgeprägte Schwachschichten aus kantigen Kristallen bzw. sogar aus Schwimmschnee. Nicht selten sind diese Schwachschichten wiederum zwischen dünnen Krusten (alten) Schmelzkrusten bzw. Windkrusten eingelagert („Krustensandwich“). Auch Oberflächenreif an der Schneeoberfläche bzw. Neuschnee vom 02.01. auf den 03.01., welcher bis gestern, dem 07.01. der Kälte ausgesetzt war und sich aufbauend umgewandelt hat, stellen mögliche Schwachschichten dar.
Nun bildet sich auf dieser schwachen Schneedecke durch den Schneefall samt starkem bis stürmischem Windeinfluss ein ausgeprägtes Brett. Nicht zuletzt aufgrund der kürzlichen Rückmeldungen aus dem Gelände mit ersten Rissbildungen und Setzungsgeräuschen (bei einer noch sehr gering mächtigen Schneedecke) muss von einer hohen Störanfälligkeit der Schneedecke ausgegangen werden. Die Amerikanischen Kollegen bezeichnen die Schneedecke bei solchen Situationen als „touchy“ – es reicht quasi ein vorsichtiges Berühren, um die Schneedecke zu stören.
Auch muss in den Hauptniederschlagsgebieten ab Sonntag, den 11.01.2026 überall dort, wo vor diesen Schneefällen eine zusammenhängende Schneedecke vorhanden war von einer sehr guten und mitunter großflächigen Bruchfortpflanzung ausgegangen werden.
Die sehr schwache Schneedecke






Wummgeräusche und Rissbildungen sind eindeutige Alarmzeichen und weisen auf eine hohe Störanfälligkeit der Schneedecke hin. Solche Alarmzeichen werden während der kommenden Tage gehäuft zu beobachten sein. In den Hauptniederschlagsgebieten im Westen rechnen wir spätestens mit den neuerlichen Schneefällen vom Samstag, den 10.01. auf Sonntag, den 11.01. mit weiteren, eindeutigen Alarmzeichen, nämlich spontanen Lawinenabgängen.


Das Brett
Das für Schneebrettlawinen notwendige „Brett“ entsteht aus den aktuellen und kommenden Schneefällen samt dem starken bis stürmischen Wind.




Die Wetterentwicklung und der Höhepunkt der Lawinengefahr
Laut Geosphere Austria dominiert aktuell eine Warmfront das Wettergeschehen in Tirol. Diese Warmfront bringt v.a. im Westen 10-20cm Neuschnee, im Osten maximal 10cm, während das südliche Osttirol fast leer ausgeht. Der Wind weht dabei stark aus westlichen Richtungen. Am Freitag bessert sich das Wetter tagsüber, es wird wieder kälter, auf den Bergen bleibt es stark windig. Ab Samstag dreht die Höhenströmung auf Nordwest und es fließt wieder feucht-kalte Luft heran. Die Hauptniederschläge sind dann von Samstag, den 10.01. auf Sonntag, den 11.01. im Westen des Landes bei weiterhin starkem Wind zu erwarten. Am Sonntag beginnt es im Tagesverlauf aufzulockern.
Der Höhepunkt der Lawinengefahr wird wohl in der Nacht von Samstag auf Sonntag dann erwartet, wenn es viel und intensiv schneit. Spätestens dann ist vermehrt mit spontanen Lawinenabgängen zu rechnen. Spätestens ab dann rechnen wir im Westen mit der oben erwähnten Lawinenzeit, während der wir es abseits gesicherter Pisten zumindest für mehrere Tage mit einer für WintersportlerInnen gefährlichen Lawinensituation und somit sehr unfallträchtigen Zeit zu tun haben werden. Es ist dann in den Hauptniederschlagsgebieten wohl auch mit Fernauslösungen von Lawinen zu rechnen.
Am Schluss möchten wir nochmals an ein möglichst defensives Verhalten während der kommenden Tage appellieren! WintersportlerInnen, die sich im freien Gelände aufhalten, sollten sich unbedingt der Risiken bewusst sein und entsprechende Erfahrung in der Lawinenbeurteilung mitbringen.
