In Tirol herrscht unverändert geringe Lawinengefahr. Die Tourenmöglichkeiten sind weiterhin eingeschränkt. Einzelne Gefahrenstellen für Schneebrettlawinen findet man v.a. im Hochgebirge, vermehrt im kammnahen Gelände und hinter Geländekanten. Die Absturzgefahr überwiegt bei Lawinenabgängen häufig gegenüber der Verschüttungsgefahr. Vorsicht: Verletzungsgefahr durch „sharks“ aufgrund der geringmächtigen Schneedecke.
Günstige Lawinenverhältnisse, meist ungünstige Tourenverhältnisse
Gegenüber unserem letzten Blogeintrag hat sich sowohl an der Lawinensituation, als auch an der Schneelage und den Tourenbedingungen nur wenig geändert. Die Lawinengefahr ist weiterhin gering, die Schneelage zumindest bis in hohe Lagen dürftig und die Tourenmöglichkeiten deshalb entsprechend eingeschränkt.
Das Wetter
Beim Wettergeschehen der vergangenen Woche stechen drei Sachen ins Auge: Es überwog prachtvolles Wetter. Getrübt war das Wetter einzig durch starken bis stürmischen Wind aus südlichen Richtungen am 15.12. und 16.12. und durch leichten Niederschlag am 17.12.2025. Der Niederschlag fiel meist bis etwa 2000m in Form von Regen. Die trockene Schneefallgrenze (also jene Grenze, ab der der Schnee nicht mehr feucht, sondern trocken vom Himmel fiel) schwankte meist zwischen 2200m und 2500m.


Die Schneedecke
Neben der für die Jahreszeit unterdurchschnittlichen Schneehöhe sticht auch die meist schlechte Schneequalität ins Auge. Markant ist dabei immer noch die Regenkruste, welche sich aufgrund des Regens vom 07.12. auf den 08.12. bis zumindest 2500m hinauf gebildet hat. Bruchharsch bzw. „Haxenbrecherschnee“ sind das Ergebnis. Während klarer Nächte bildeten sich inzwischen unterhalb der Krusten zum Teil kantige Kristalle aus. Gleichzeitig beobachtet man in schattigen Lagen einen zunehmenden Abbau dieser Krusten – diese werden quasi langsam wieder „aufgefressen“.
In Sonnenhängen hingegen schritt die Ausaperung weiter voran – kein Wunder, bei den zum Teil frühjahrsähnlichen Verhältnissen! Entsprechend wurde die Schneedecke (dort wo vorhanden) in sehr steilen Sonnenhängen während des Tages oberflächig angefeuchtet und fror während klarer Nächte, sodass sich ein Harschdeckel bildete. Uns wurde mancherorts bereits von guten „Firnabfahrten“ berichtet.
Schwachschichten für Schneebrettlawinen findet man aktuell v.a. in Form von kantigen Kristallen (meist im Bereich von Krusten), teilweise auch noch in Form von oberflächennah eingeschneitem Oberflächenreif. Häufig fehlt jedoch das für Schneebrettlawinen notwendige Brett. Der Föhneinfluss vom 15.12. und 16.12. bildete allerdings kleinräumig neue Gefahrenbereiche.
Eine Ausnahme bezüglich des Bretts bilden hochalpin vorhandene Schwachschichten, meist in Form von bodennahen kantigen Kristallen und Schwimmschnee (häufig auf Gletschereis). Eine Störung dieser Schwachschicht ist aktuell eher unwahrscheinlich, jedoch prinzipiell noch möglich. Dies bestätigte ein Lawinenabgang ohne Folgen am Hinteren Daunkopf in den Stubaier Alpen am 13.12.2025 (Foto sh. weiter unten).
Aktuell hat auch der Regen vom 17.12. samt den warmen Temperaturen zu einer weiteren (durchgreifenderen) Durchfeuchtung der Schneedecke bis etwa 2200m hinauf geführt. Während der nun wieder klaren Nächte bilden sich dann oberflächennah wiederum Harschdeckel aus. Auch beobachtete man nach Abzug der Störung an der Schneeoberfläche teilweise wieder Oberflächenreif.

Exemplarisch ein paar Schneeprofile





Meist schlechte Schneequalität und Gefahr von „sharks“
Fotos sagen mehr als tausend Worte…







Lawinen
Nach den zahlreichen spontanen Lawinenabgängen in der Nacht vom 07.12. auf den 08.12. (sh. unseren letzten Blogeintrag) werden uns inzwischen nur wenige Lawinenabgänge gemeldet. Die vergleichsweise größte Lawine wurde auf der Nordseite des Hinteren Daunkogels (3180m, NO) in den Stubaier Alpen am 13.12. von Personen ausgelöst. Es kam niemand zu Schaden.




Sonstige Infos
Auf den Gletschern ist die Spaltenüberdeckung noch dürftig…

Auch eine mögliche Alternative…

