Fernausgelöste Lawine am Weg zum Fotscher Windegg in der Region Kalkkögel (© Alexander Radlherr, 31.01.2026)

Unverändert haben wir es verbreitet mit einer (sehr) störanfälligen Schneedecke und einer anhaltenden Lawinenzeit zu tun. Zurückhaltung im Gelände!

Wenig hat sich seit unserem letzten Blogeintrag hinsichtlich Schneedeckenstabilität und Auslösebereitschaft von Lawinen verändert. Wir haben es somit weiterhin mit einer für WintersportlerInnen verbreitet heiklen bzw. durchaus auch heimtückischen Lawinensituation zu tun. Eine überlegte, defensive Routenwahl hilft, das Risiko im freien Gelände möglichst gering zu halten.

Lang anhaltende Gefahrensituation

Knapp einen Monat dauert die Phase mit einer deutlich erhöhten Störanfälligkeit der Schneedecke. Der Grund liegt in zumindest einer sehr ausgeprägten Schwachschicht (meist kantige Kristalle und Schwimmschnee im Mittelteil der Schneedecke inklusive Oberflächenreif im Nahbereich der Schneeoberfläche) samt einem darüber gut ausgebildeten Brett. Letzteres hat sich während der vergangenen Woche einerseits durch Schneefälle, andererseits durch zeitweise starken Windeinfluss verstärkt. Entsprechend zahlreich blieben deshalb auch die Rückmeldungen über die bekannten Alarmzeichen, von Lawinenauslösungen (von spontan bis personen- bzw. fernausgelöst) zu Rissbildungen und Setzungsgeräuschen.

Vorab gleich die Lösung des Problems

Aktuell bedarf es im freien Gelände in weiten Teilen Tirols viel Erfahrung und entsprechender Zurückhaltung, um möglichst risikoarm unterwegs zu sein. Es gilt das Motto: „Wenn die Lawine das Problem ist, ist das Gelände die Lösung“. Touren im mäßig steilen Gelände abseits von großen, gleichmäßigen Steilhängen ist aktuell eine häufig beobachtete und vorbildliche Verhaltensweise.

Sanftes, aktuell perfekt der Lawinensituation angepasstes Tourengelände. Region Zillertaler Alpen Nordwest (© LWD Tirol, 30.01.2026)
Sanftes, perfekt der Lawinensituation angepasstes Tourengelände. Region Zillertaler Alpen Nordwest (© LWD Tirol, 30.01.2026)

„WintersportlerInnen-Groß“

Zweimal gaben wir während der vergangenen Woche die Gefahrenstufe 4 (groß) in Form eines „WintersportlerInnen-Groß“ aus. Lawinen können dabei sehr leicht von WintersportlerInnen ausgelöst werden bzw. spontan abgehen und sind meist mittelgroß, teilweise auch groß.

Gefahrenstufenkarte vom 30.01.2026
Gefahrenstufenkarte vom 30.01.2026
Gefahrenstufenkarte vom 05.02.2026
Gefahrenstufenkarte vom 05.02.2026

Eindrücke der vergangenen Woche

Ergänzend zum letzten Blogeintrag folgen Bilder, die eindrucksvoll die aktuellen Situation wiedergeben.

Spontane Lawinen und sehr gute Sprengerfolge

Nach den Niederschlägen vom 28.01. auf den 29.01. wurde uns in den neuschneereichen Regionen von sehr guten Sprengerfolgen berichtet, wie hier am Gaislachkogel in der Weißkugelgruppe (© Tobias Holzknecht, 30.01.2026)
Nach den Niederschlägen vom 28.01. auf den 29.01. wurde uns in den neuschneereichen Regionen von sehr guten Sprengerfolgen berichtet, wie hier am Gaislachkogel in der Weißkugelgruppe (© Tobias Holzknecht, 30.01.2026)
Kleine Schneebrettlawinen im Bereich von Böschungen in der Region Karnische Alpen Osttirol (© LWD Tirol, 30.01.2026)
Kleine Schneebrettlawinen im Bereich von Böschungen in der Region Karnische Alpen Osttirol (© LWD Tirol, 30.01.2026)
Großflächige Bruchausbreitungen im Eisenkar am Geigenkamm (© Clemens Gufler, 31.01.2026)
Großflächige Bruchausbreitung im Eisenkar am Geigenkamm (© Clemens Gufler, 31.01.2026)
Zahlreiche spontane Lawinen am Roten Schofen in der Region Kaunergrat während umfangreicher Verfrachtungen am 03.02.2026 (© Benjamin Zanon)
Zahlreiche spontane Lawinen am Roten Schofen in der Region Kaunergrat aufgrund umfangreicher Verfrachtungen am 03.02.2026 (© Benjamin Zanon)

Personenausgelöste Lawinen (inkl. Fernauslösungen)

Lawinenauslösung durch WintersportlerInnen im Bereich der Maschentalalm in der Region Tuxer Alpen Ost (© Achim Scherzer, 30.01.2026)
Lawinenauslösung durch WintersportlerInnen im Bereich der Maschentalalm in der Region Tuxer Alpen Ost (© Achim Scherzer, 30.01.2026)
Lawinenauslösungen im Pistennahbereich. Thurntaler in der Region  Deferegger Alpen Ost (© Barbara Fink, 01.02.2026)
Lawinenauslösungen im Pistennahbereich. Thurntaler in der Region Deferegger Alpen Ost (© Barbara Fink, 01.02.2026)
Fernauslösung im Schöntal in der Region Sellrain - Alpeiner Berge (© Simon Legner, 30.01.2026)
Fernauslösung im Schöntal in der Region Sellrain – Alpeiner Berge (© Simon Legner, 30.01.2026)
Fernauslösung beim Kastengrat in der Region Kalkkögel (© Thilo Rek, 01.02.2026)
Fernauslösung beim Kastengrat in der Region Kalkkögel (© Thilo Rek, 01.02.2026)
Fernauslösung vom Beobachtungsstandort am Weg zum K2 im Pitztal in der Region Weißkugelgruppe (© Jef Verstraeten, 04.02.2026)
Fernauslösungen vom Beobachtungsstandort am Weg zum K2 im Pitztal in der Region Weißkugelgruppe (© Vincent Das von Mountain.frame, 04.02.2026)

Rissbildungen und Setzungsgeräusche

Rissbildung und großflächige Bruchfortpflanzung am Gamsberg in der Samnaungruppe (© Stefan Jungmann, 01.02.2026)
Rissbildung und großflächige Bruchfortpflanzung am Gamsberg in der Samnaungruppe (© Stefan Jungmann, 01.02.2026)
Rissibildugn bei der Allerleigrubenspitze in der Region Stubaier Alpen Mitte (© Jef Verstraeten, 04.02.2026)
Rissibildung bei der Allerleigrubenspitze in der Region Stubaier Alpen Mitte (© Jef Verstraeten, 04.02.2026)

Rückblick Wetter und Schneedecke

Während der vergangenen Woche dominierte Schönwetter bei einer Südströmung. Ab 03.02. begann es dann von Süden einzutrüben und zu schneien mit Schwerpunkt im südlichsten Osttirol. Dort kamen in Summe bis zu 50cm Neuschnee zusammen. Prägend war auch der zum Teil sehr starke Windeinfluss am 03.02. und 04.02., der zu umfangreichen Verfrachtungen führte. Die Zusatzbelastung aus Schneefall und verfrachtetem Schnee verschärfte die Lawinensituation aufgrund einer ausgeprägteren Brettbildung.

Freundlicheres Wetter in Nordtirol als in Osttirol. Prägend u.a. der starke Windeinfluss am 03.02. und 04.02. v.a. in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes.
Freundlicheres Wetter in Nordtirol als in Osttirol. Prägend u.a. der starke Windeinfluss am 03.02. und 04.02. v.a. in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes.
24h Schneedifferenz vom 04.02. auf den 05.02.2026
24h Schneedifferenz vom 04.02. auf den 05.02.2026
Starker Windeinfluss insbesondere am 03.02.2026
Starker Windeinfluss insbesondere am 03.02.2026
Im Süden, am Hauptkamm und etwas nördlich davon beobachtete man häufig große Schneefahnen als Zeichen umfangreicher Schneeverfrachtungen. Sölden, Weißkugelgruppe (© Peter Raich, 03.02.2026)
Im Süden, am Hauptkamm und etwas nördlich davon beobachtete man häufig große Schneefahnen als Zeichen umfangreicher Schneeverfrachtungen. Sölden, Weißkugelgruppe (© Peter Raich, 03.02.2026)

(Eingeschneiter) Oberflächenreif

Wichtig zu erwähnen ist, dass mit den Neuschneefällen ab dem 03.02. recht verbreitet Oberflächenreif eingeschneit wurde, auch wenn dieser teilweise – insbesondere im Bereich des Alpenhauptkammes zumindest W- und O-seitig tendenziell eher durch starken Windeinfluss zerstört wurde. Auf alle Fälle haben wir es dadurch stellen- bzw. gebietsweise mit einer weiteren, sehr störanfälligen Schwachschicht innerhalb der Schneedecke zu tun. Ein Anzeichen dafür können gering mächtige oberflächennahe, spontane Rutsche im Steilgelände sein. Ansonsten nach den Schneefällen leider von außen nicht zu erkennen…

Im südlichen Osttirol war es trüber als im Norden. Dort schneite es allerdings auch am meisten. An der zweiten Grafik von oben erkennt man aufgrund der Differenz der Schneeoberflächentemperatur zum Taupunkt auch das erhöhte Potential zur Oberflächenreifbildung.
Im südlichen Osttirol war es trüber als im Norden. Dort schneite es allerdings auch am meisten. An der zweiten Grafik von oben erkennt man aufgrund der Differenz der Schneeoberflächentemperatur zum Taupunkt auch das erhöhte Potential zur Oberflächenreifbildung.
Unsere Rückmeldungen über Oberflächenreif während der vergangenen Woche
Unsere Rückmeldungen über Oberflächenreif während der vergangenen Woche
Oberlfächenreif im Unterland (© Andreas Stefan Mayr, 01.02.2026)
Oberlfächenreif im Unterland (© Andreas Stefan Mayr, 01.02.2026)
Oberflächenreif im Bereich der Mölser Sonnenspitze in der Region Tuxer Alpen West (© Michael Gasteiger, 31.01.2026)
Oberflächenreif im Bereich der Mölser Sonnenspitze in der Region Tuxer Alpen West (© Michael Gasteiger, 31.01.2026)

Was leider auch bleibt sind die ausgeprägten Schwachschichten meist im Mittelteil der Schneedecke.

Ein recht typisches Schneeprofil mit potentiellen Schwachschichten aus kantigen Kristallen und Schwimmschnee. Am Profil erkennt man an der Oberfläche auch noch Oberflächenreif. An diesem Standort war zum Profilzeitpunkt das Brett zu wenig ausgeprägt. 2 Meter von diesem Standort entfernt war die Schneeauflage auf der Schwachschicht dicker, das Brett ausgeprägter, was zu einem durchgängigen Bruch innerhalb der Schneeblocks führte.
Ein recht typisches Schneeprofil mit potentiellen Schwachschichten aus kantigen Kristallen und Schwimmschnee (eingelagert zwischen Krusten). Am Profil erkennt man an der Oberfläche auch noch Oberflächenreif. An diesem Standort war zum Profilzeitpunkt das Brett zu wenig ausgeprägt. 2 Meter von diesem Standort entfernt war die Schneeauflage auf der Schwachschicht dicker und somit das Brett ausgeprägter, was zu einem durchgängigen Bruch innerhalb der Schneeblocks führte.

Weitere Entwicklung

Kurze Störung, dann ruhiger Wetterverlauf bis Wochenmitte

Laut GeoSphere Austria breiten sich in Nordtirol am 06.02. in der Früh von Westen her kompakte Wolken und nachfolgend leichter Regen- oder Schneefall aus, welcher gegen Mittag den Zentralraum und am Nachmittag das Unterland erreicht. Für den Rest des Tages bleibt es trüb und zeitweise nass mit leichtem bis mäßigem Regen oder Schnee. Schnee fällt nur oberhalb von 1100 bis 1400 Metern. In Osttirol bleibt der Himmel stark bewölkt bis bedeckt, abseits des Tauernhauptkamms bleibt es hier aber trocken.

Etwas Neuschnee in weiten Teilen Tirols. 24h Prognose  06.02.2026
Etwas Neuschnee in weiten Teilen Tirols. 24h Prognose 06.02.2026

Danach geht es mit schwachem Hochdruckwetter in die nächste Woche. Es bleibt für die Jahreszeit mild. Ab Wochenmitte ist dann wieder etwas unbeständigeres Wetter mit Neuschneezuwachs möglich.

Prognostizierter Temperaturverlauf bis inklusive Montag, 9.02.2026.
Prognostizierter Temperaturverlauf bis inklusive Montag, 9.02.2026.
Bis Wochenmitte bleibt es niederschlagsfrei, gegen Wochenende hin ist Neuschnee auf Tirols Bergen möglich.
Bis Wochenmitte bleibt es niederschlagsfrei, gegen Wochenende hin ist Neuschnee auf Tirols Bergen möglich.

Auswirkung auf die Lawinengefahr

Sollte es am 06.02. tendenziell höher hinauf nass schneien, würde das wiederum die Brettbildung fördern. Dies hätte eine zusätzlich erhöhte Störanfälligkeit der Schneedecke zur Folge.

Die für WintersportlerInnen ungünstigen Lawinensituation bleibt bis auf Weiteres bestehen!