Wenig hat sich seit unserem letzten Blogeintrag hinsichtlich Schneedeckenstabilität und Auslösebereitschaft von Lawinen verändert. Wir haben es somit weiterhin mit einer für WintersportlerInnen verbreitet heiklen bzw. durchaus auch heimtückischen Lawinensituation zu tun. Eine überlegte, defensive Routenwahl hilft, das Risiko im freien Gelände möglichst gering zu halten.
Lang anhaltende Gefahrensituation
Knapp einen Monat dauert die Phase mit einer deutlich erhöhten Störanfälligkeit der Schneedecke. Der Grund liegt in zumindest einer sehr ausgeprägten Schwachschicht (meist kantige Kristalle und Schwimmschnee im Mittelteil der Schneedecke inklusive Oberflächenreif im Nahbereich der Schneeoberfläche) samt einem darüber gut ausgebildeten Brett. Letzteres hat sich während der vergangenen Woche einerseits durch Schneefälle, andererseits durch zeitweise starken Windeinfluss verstärkt. Entsprechend zahlreich blieben deshalb auch die Rückmeldungen über die bekannten Alarmzeichen, von Lawinenauslösungen (von spontan bis personen- bzw. fernausgelöst) zu Rissbildungen und Setzungsgeräuschen.
Vorab gleich die Lösung des Problems
Aktuell bedarf es im freien Gelände in weiten Teilen Tirols viel Erfahrung und entsprechender Zurückhaltung, um möglichst risikoarm unterwegs zu sein. Es gilt das Motto: „Wenn die Lawine das Problem ist, ist das Gelände die Lösung“. Touren im mäßig steilen Gelände abseits von großen, gleichmäßigen Steilhängen ist aktuell eine häufig beobachtete und vorbildliche Verhaltensweise.

„WintersportlerInnen-Groß“
Zweimal gaben wir während der vergangenen Woche die Gefahrenstufe 4 (groß) in Form eines „WintersportlerInnen-Groß“ aus. Lawinen können dabei sehr leicht von WintersportlerInnen ausgelöst werden bzw. spontan abgehen und sind meist mittelgroß, teilweise auch groß.


Eindrücke der vergangenen Woche
Ergänzend zum letzten Blogeintrag folgen Bilder, die eindrucksvoll die aktuellen Situation wiedergeben.
Spontane Lawinen und sehr gute Sprengerfolge




Personenausgelöste Lawinen (inkl. Fernauslösungen)





Rissbildungen und Setzungsgeräusche


Rückblick Wetter und Schneedecke
Während der vergangenen Woche dominierte Schönwetter bei einer Südströmung. Ab 03.02. begann es dann von Süden einzutrüben und zu schneien mit Schwerpunkt im südlichsten Osttirol. Dort kamen in Summe bis zu 50cm Neuschnee zusammen. Prägend war auch der zum Teil sehr starke Windeinfluss am 03.02. und 04.02., der zu umfangreichen Verfrachtungen führte. Die Zusatzbelastung aus Schneefall und verfrachtetem Schnee verschärfte die Lawinensituation aufgrund einer ausgeprägteren Brettbildung.




(Eingeschneiter) Oberflächenreif
Wichtig zu erwähnen ist, dass mit den Neuschneefällen ab dem 03.02. recht verbreitet Oberflächenreif eingeschneit wurde, auch wenn dieser teilweise – insbesondere im Bereich des Alpenhauptkammes zumindest W- und O-seitig tendenziell eher durch starken Windeinfluss zerstört wurde. Auf alle Fälle haben wir es dadurch stellen- bzw. gebietsweise mit einer weiteren, sehr störanfälligen Schwachschicht innerhalb der Schneedecke zu tun. Ein Anzeichen dafür können gering mächtige oberflächennahe, spontane Rutsche im Steilgelände sein. Ansonsten nach den Schneefällen leider von außen nicht zu erkennen…




Was leider auch bleibt sind die ausgeprägten Schwachschichten meist im Mittelteil der Schneedecke.

Weitere Entwicklung
Kurze Störung, dann ruhiger Wetterverlauf bis Wochenmitte
Laut GeoSphere Austria breiten sich in Nordtirol am 06.02. in der Früh von Westen her kompakte Wolken und nachfolgend leichter Regen- oder Schneefall aus, welcher gegen Mittag den Zentralraum und am Nachmittag das Unterland erreicht. Für den Rest des Tages bleibt es trüb und zeitweise nass mit leichtem bis mäßigem Regen oder Schnee. Schnee fällt nur oberhalb von 1100 bis 1400 Metern. In Osttirol bleibt der Himmel stark bewölkt bis bedeckt, abseits des Tauernhauptkamms bleibt es hier aber trocken.

Danach geht es mit schwachem Hochdruckwetter in die nächste Woche. Es bleibt für die Jahreszeit mild. Ab Wochenmitte ist dann wieder etwas unbeständigeres Wetter mit Neuschneezuwachs möglich.


Auswirkung auf die Lawinengefahr
Sollte es am 06.02. tendenziell höher hinauf nass schneien, würde das wiederum die Brettbildung fördern. Dies hätte eine zusätzlich erhöhte Störanfälligkeit der Schneedecke zur Folge.
Die für WintersportlerInnen ungünstigen Lawinensituation bleibt bis auf Weiteres bestehen!
