Schneebrettlawinen können weiterhin von Wintersporterlinnen im Steilgelände ausgelöst werden.

Trotz Entspannung der Lawinensituation zum Teil noch etwas heimtückisch

Auch während der vergangenen Woche hatten wir es durchwegs noch mit einer zum Teil recht heimtückischen Lawinensituation zu tun. Das vorherrschende Lawinenproblem war ein Altschneeproblem.

Inzwischen merkt man zumindest in den schneeärmeren Regionen, wie sich oberflächennahe Schichten zunehmend aufbauend umwandeln bzw. in sehr steilen Sonnenhängen von Schmelzprozessen geprägt werden. Dadurch nimmt die Wahrscheinlichkeit von Lawinenauslösungen durch WintersportlerInnen ab.

Dennoch: Die Situation bleibt gebietsweise noch etwas heimtückisch. Vermehrte Vorsicht erscheint weiterhin insbesondere in wenig befahrenen, sehr steilen Nord- und Osthängen angebracht.

Eine langanhaltende Lawinenzeit geht in eine „normale“ Situation über

Die spätestens ab dem 11.01.2026 begonnene „Lawinenzeit“ (sh. Blog) dauerte bis in diese Woche hinein. Wir hatten es mit sehr vielen Lawinenauslösungen mit Personenbeteiligung zu tun, am meisten waren es am 11.01.2026. Am 22.01. war der erste Tag, an dem uns keine diesbezügliche Meldung mehr erreichte.

Übersicht der eingegangenen Lawinenmeldungen zwischen dem 11.01. und dem 22.01.2026
Übersicht der eingegangenen Lawinenmeldungen zwischen dem 11.01. und dem 22.01.2026. Bei den Datumsbalken erkennt man die Abnahme der Meldungen.

Auch war die Dauer der Meldungen über Fernauslösungen bis einschließlich 17.01. außergewöhnlich lang. Die letzte Meldung eines Setzungsgeräusches erreichte uns übrigens am 21.01.

Fernauslösungen in der Samnaungruppe (© Tobias Peer, 18.01.2026)
Fernauslösungen in der Samnaungruppe. (© Tobias Peer, Foto: 17.01.2026)
Fernauslösungen beim Salzachgeier in den Kitzbüheler Alpen (© Jenifer Pock-Baier, 17.01.2026)
Fernauslösungen beim Salzachgeier in den Kitzbüheler Alpen (© Jenifer Pock-Baier, Foto: 17.01.2026)
Eindrucksvolle Fernauslösung knapp unterhalb der  Stuttgarter Hütte in der Region Lechtaler Alpen West (© Mike Perl, 16.01.2026)
Eindrucksvolle Fernauslösung knapp unterhalb der Stuttgarter Hütte in der Region Lechtaler Alpen West (© Mike Perl, 16.01.2026)
Eine personenausgelöste Schneebrettlawine ohne Schäden am Gorner in der Goldriedgruppe (© Anton Riepler, 19.01.2026)
Eine personenausgelöste Schneebrettlawine ohne Schäden am Gorner in der Goldriedgruppe (© Anton Riepler, 19.01.2026)
Rissbildungen standen ab dem 08.01. auf der Tagesordnung, wie hier am Angerbergkopf in der Kalkkögelgruppe (© Jan Wördenweber, 16.01.2026)
Rissbildungen standen ab dem 08.01. an der Tagesordnung, wie hier am Angerbergkopf in der Kalkkögelgruppe (© Jan Wördenweber, 16.01.2026)

Inzwischen sehen wir auch bei den zahlreich eingegangenen und selbst durchgeführten Schneedeckenuntersuchungen, dass die Anzahl an Gefahrenstellen langsam, aber stetig abgenommen hat. Dies hängt einerseits (und vorwiegend) damit zusammen, dass sich die Bretteigenschaft geändert hat. Das Brett wird insbesondere in den schneeärmeren Regionen insbesondere während Strahlungsnächte durch aufbauende Umwandlungsprozesse zunehmend lockerer bzw. ist in sehr steilen Südhängen von Schmelzprozessen geprägt. Eine Lawinenauslösung bzw. Bruchfortpflanzung wird dadurch unwahrscheinlicher.

Sehr langsam beginnt sich aber auch die dominante Schwachschicht (meist im Bereich der Regenkruste vom 08.12.2026) etwas besser mit den umliegenden Schichten zu verbinden. Die Betonung liegt auf „sehr langsam“, weil wir immer noch sehr weiche Schwachschichten aus kantigen Kristallen und/oder Schwimmschnee in der Schneedecke vorfinden. Allerdings stellen wir auch eine stetige, aber sehr langsame Verkrustung der Kristalle innerhalb der Schwachschicht fest.

Die "sehr schlechten" und "schlechten" Profile werden tendenziell weniger.
Die „sehr schlechten“ und „schlechten“ Profile werden tendenziell weniger.
Immer noch (aber deutlich seltener als noch vor einer Woche) kann man bei Stabilitätstest einen Bruch samt Bruchfortpflanzung erzeugen.
Immer noch (aber deutlich seltener als noch vor einer Woche) kann man bei Stabilitätstest einen Bruch samt Bruchfortpflanzung erzeugen.
Gleichzeitig wird das "Brett" immer lockerer, sodass sich an immer mehr Stellen, keine Brüche mehr fortpflanzen können.
Gleichzeitig wird das „Brett“ immer lockerer, sodass sich an immer mehr Stellen, keine Brüche mehr fortpflanzen können.
Eine von vielen Schneedeckenuntersuchungen. Region Lechtaler Alpen West (© LWD Tirol, 21.01.2026)
Eine von vielen Schneedeckenuntersuchungen. Region Lechtaler Alpen West (© LWD Tirol, 21.01.2026)

Weiterhin (sehr) schneearmer Winter

Wir haben es vielerorts mit einem sehr schneearmen Winter zu tun. Bei unseren langjährigen Beobachterstationen „kratzen“ manche Stationen an bisher gemessenen Minimalwerten.

Beobachterstation Obergurgl (Messreihe seit 1961). Die dicke Linie zeigt die Schneehöhe des diesjährigen Winters. Eingehüllt sind die bisher gemessenen Minima, der Mittelwert und das Maximum seit Messbeginn.
Beobachterstation Obergurgl (Messreihe seit 1961). Die dicke Linie zeigt die Schneehöhe des diesjährigen Winters. Eingehüllt sind die bisher gemessenen Minima, der Mittelwert und das Maximum seit Messbeginn.
Tourenmöglichkeiten sind schneebedingt eingeschränkt. Rofan - Region Brandenberger Alpen (© Julia Hitthaler, 17.01.2026)
Tourenmöglichkeiten sind schneebedingt eingeschränkt. Rofan – Region Brandenberger Alpen (© Julia Hitthaler, 17.01.2026)
Ein ähnliches Bild am Kellerjoch in der Region Tuxer Alpen Ost. (© Barbara Fink, 17.01.2026)
Ein ähnliches Bild am Kellerjoch in der Region Tuxer Alpen Ost. (© Barbara Fink, 17.01.2026)
Somit besteht weiterhin die Gefahr von "shark" bei der Abfahrt. Silvretta (© LWD Tirol, 16.01.2026)
Somit besteht weiterhin die Gefahr von „sharks“ bei der Abfahrt. Silvretta (© LWD Tirol, 16.01.2026)

Weitere Auswirkungen des Wettergeschehens auf die aktuelle Schneebeschaffenheit

Betrachten wir das Wetter der vergangenen Woche, so war dieses kurzfristig zweigeteilt. In Nordtirol hatten wir es meist mit Schönwetter zu tun, während im Süden zwischen dem 17.01. und 19.01. eine Hochnebeldecke bis nahe an die höchsten Gipfel reichte. Bezeichnend war zudem teils starker Wind aus südlicher Richtung. Das Schneeverfrachtungspotential war dennoch gering. Vielerorts gab es auch die Voraussetzungen zur Bildung von Oberflächenreif.

Station Muttekopfhütte. Ruhiges Winterwetter. Dort wo die Schneeoberflächentemperatur unter den Taupunkt fiel, hatten wir es mit Potential zur Oberflächenreifbildung zu tun.
Station Muttekopfhütte. Ruhiges Winterwetter. Dort wo die Schneeoberflächentemperatur unter den Taupunkt fiel, hatten wir es mit Potential zur Oberflächenreifbildung zu tun.
Zum Vergleich die Wetterstation Mosesgipfel in Osttirol. Man erkennt in der zweiten Grafik von oben die Wolkenbedeckung.
Zum Vergleich die Wetterstation Mosesgipfel in Osttirol. Man erkennt in der zweiten Grafik von oben die Wolkenbedeckung.
Hochnebel unterhalb der Adlersruhe in der Glocknergruppe (© Anton Riepler, 18.02.2026)
Hochnebel unterhalb der Adlersruhe in der Glocknergruppe (© Anton Riepler, 18.01.2026)
Oberflächenreif beim Serleskamm (© Dominik Jenewein, 17.01.2026)
Oberflächenreif beim Serleskamm (© Dominik Jenewein, 17.01.2026)
Ausgeprägter "Nigg-Effekt", also kammnah verstärkt gebildeter Oberflächenreif im Navistal in der Region Tuxer Alpen West (© Thomas Wanner)
Ausgeprägter „Nigg-Effekt“, also kammnah verstärkt gebildeter Oberflächenreif im Navistal in der Region Tuxer Alpen West (© Thomas Wanner)
Südseitig wirkten Strahlung und Wärme, sodass dort die Schneeoberfläche oberflächennah angefeuchtet und über Nacht wieder gefroren wurde. Region Kalkkögel (© Barbara Fink, 17.01.2026)
Südseitig wirkten Strahlung und Wärme, sodass dort die Schneeoberfläche oberflächennah angefeuchtet und über Nacht wieder gefroren wurde. Vereinzelt bildeten sich auch Schneeknollen. Region Kalkkögel (© Barbara Fink, 17.01.2026)
Die Schneequalität variiert sehr stark. Bruchharsch scheint gerade zu überwiegen. (© LWD Tirol, 21.01.2026)
Die Schneequalität variiert sehr stark. Bruchharsch scheint gerade zu überwiegen. (© LWD Tirol, 21.01.2026)
Firnähnliche Verhältnisse in sehr steilen Südhängen. Lechtaler Alpen West (© LWD Tirol, 21.01.2026)
Firnähnliche Verhältnisse in sehr steilen Südhängen. Lechtaler Alpen West (© LWD Tirol, 21.01.2026)
Es gibt aber auch noch pulverähnliche Verhältnisse. Lechtaler Alpen West (© LWD Tirol, 21.01.2026)
Es gibt aber auch noch pulverähnliche Verhältnisse. Lechtaler Alpen West (© LWD Tirol, 21.01.2026)

Wie geht es weiter?

Es ist nur wenig Schnee in Sicht.

72h Neuschneeprognose: Eher kosmetischer Neuschneezuwachs in weiten Teilen Tirols

Laut Geosphere Austria (GSA) „schwächt der Hochdruckeinfluss weiter ab und Tirol gelangt allmählich an die Vorderseite eines Atlantiktiefs. Damit dreht die Höhhenströmung bis Freitag, den 23.01.2026 auf südwestliche Richtung, sie wird stärker und nimmt in höheren Schichten etwas feuchtere Luft mit. Dazu kommt in Nordtirol mäßiger Föhn auf, im Süden staut sich Feuchtigkeit an den Bergen. Am Samstag schwenkt eine schwache Kaltfront durch, gefolgt von einer kurzen Zwischenbesserung am Sonntag, welche aber nur Nordtirol betrifft, in Osttirol bleibt es auch am Sonntag feuchter“.

Im Hochgebirge muss dann wohl neben dem allgemeinen Altschneeproblem auf frische, meist kleine Triebschneepakete geachtet werden. Dort, wo sich Triebschnee auf Oberflächenreif ablagert, ist von einer hohen Störanfälligkeit des Triebschnees auszugehen. Mit Erfahrung sollte frischer Triebschnee jedoch leicht zu erkennen sein.