Wir haben es unverändert mit einer verbreitet recht störanfälligen Schneedecke zu tun. Das bestätigen die bei uns bis inklusive heute, 15.01., täglich eingegangenen Meldungen über Lawinenauslösungen von WintersportlerInnen, aber auch von Setzungsgeräuschen, Rissbildungen und Fernauslösungen. Die Lawinengefahr geht zwar stetig, jedoch nur langsam zurück. Erfahrung und Zurückhaltung im freien Gelände erscheinen deshalb weiterhin angebracht. Kurz gehen wir auch noch etwas detaillierter auf den tödlichen Lawinenunfall unterhalb des Wetterkreuzes am 11.01.2026 ein.
Unfallanalyse Wetterkreuz (11.01.2026)
Zwei Personen starteten ihre Skitour vom Gasthaus Hüttegg, anfangs über die dortige Piste, dann über freies Gelände Richtung Gilfert. Im Bereich des Wetterkreuzes unterhalb des Gilferts beendeten sie ihre Tour und beschlossen, nordseitig abzufahren. Dabei folgten sie vier bereits vorhandenen, frischen Abfahrtsspuren. Die beiden Personen hielten bei der Abfahrt Abstände. Als die vorausfahrende Person den Nordhang querte, löste sich in dem ca. 35° steilen Nordhang eine ca. 100m breite und 40m lange Schneebrettlawine mit einer durchschnittlichen Anrissmächtigkeit von ca. 30cm.
Die hinterherfahrende Person befand sich außerhalb des Schneebretts, nahm dieses sofort wahr und versuchte die vorausfahrende Person noch zu warnen. Diese wurde jedoch vom Schneebrett erfasst und in einer Geländefalle 1,7m tief verschüttet. Aufgrund fehlender Notfallausrüstung konnte keine effiziente Kameradenrettung durchgeführt werden. Sehr rasch – bereits 10 Minuten nach dem Lawinenabgang – traf die erste Rettungsmannschaft ein. Nach ca. 90m Minute nach ihrer Verschüttung konnte die Person durch Sondieren aufgefunden werden, verstarb jedoch noch am selben Tag in der Klinik.



Die Schneedecke
Im Nahbereich des Lawinenabgangs führten wir am 12.01. gemeinsam mit der Alpinpolizei und einem unserer Beobachter die Schneedeckenanalyse durch. Entscheidend war die Kombination aus Neuschnee bzw. frischem Triebschnee samt einer sehr schwachen Altschneedecke.

zeigten eine hohe Störanfälligkeit und gute Bruchfortpflanzung.
Wie in weiten Teilen Tirols war die Schneehöhe für die Jahreszeit unterdurchschnittlich. Markant war allerdings der Unterschied zwischen der Schneebedeckung im Aufstiegsbereich und hinter dem Grat, wo sich vermehrt Triebschnee abgelagert hat.

Weiterhin Alarmzeichen, die auf eine störanfällige Schneedecke hinweisen
Wie schon anfangs erwähnt, erreichten uns während der vergangenen Woche täglich Rückmeldungen über sämtliche Alarmzeichen, also frische Lawinen, Setzungsgeräusche, Rissbildungen und zudem Fernauslösungen. Einige Bilder sollen ergänzend zum letzten Blogeintrag einen Eindruck über die nicht alltägliche lange Dauer solcher Rückmeldungen aus dem Gelände geben.
Lawinenabgänge






Rissbildungen und Setzungsgeräusche

Weitere Infos zur vergangenen Woche
Ergänzend zum letzten Blogeintrag hier noch ein paar Anmerkungen: Neuschnee samt starkem Wind dominierte das Wettergeschehen vom 08.01. bis zum Sonntag, den 11.01.. Am Sonntag allerdings besserte sich das Wetter bereits in den Morgen- bzw. Vormittagsstunden. Ein meist strahlender Tag mit vielen Personen im Gelände während einer verbreitet heiklen Lawinensituation. Am Montag, den 12.01. brachte dann eine Warmfront etwas Niederschlag – Regen bis verbreitet 2000m hinauf. Allerdings, und das überraschte uns, fanden wir bei einer großflächigen Geländeerkundung mit der Flugpolizei auch auf 2600m noch eine dünne Regenkruste, die vom 12.01. stammen musste. Dazu eine große Bitte: Wir sind aktuell sehr an Rückmeldungen über diese kürzlich entstandene oberflächennahe Kruste interessiert (Angabe der Örtlichkeit und Höhe bitte direkt via SNOBS), da diese wiederum Auswirkungen auf die Lawinengefahr in der Zukunft haben kann (aufbauende Umwandlung im Bereich dieser Kruste).






Am 13.01. verschafften wir uns mit Unterstützung der Flugpolizei und dem Landeshubschrauber einen Überblick über die Situation. Hier ein paar Eindrücke:






Die Schneedecke ist im ganzen Land ähnlich (schlecht) aufgebaut. Einzig die Schneemächtigkeit variiert. Am meisten Schnee liegt aktuell im Westen Nordtirols und im nördliche Osttirol in großer Höhe.


Weitere Profile findet ihr, wie immer, auf unserer Seite hier:
Wie geht es weiter?
Laut Geosphere Austria (GSA) dreht die Strömung in Westösterreich zum
Wochenende stärker auf Süd und es wird leicht föhnig. Die einbezogenen
Luftmassen sind weiterhin mild. Niederschlag ist bis auf Weiteres nicht in Sicht.
Die Lawinengefahr wird weiter langsam zurückgehen. Wir rechnen jedoch auch noch am Wochenende noch mit einer durchwegs erhöhten Auslösewahrscheinlichkeit von Lawinen. Immer dann wenn die Schneedecke das Problem ist, ist das Gelände die Lösung. Wir plädieren deshalb weiterhin zu einer defensiven Routenwahl.
