Lawinenunglück Wetterkreuz - Gilfert (© BR Mayrhofen, 11.01.2026)

Sonntag, der 11.01.2026: Zahlreiche Alarmzeichen, wie Lawinenabgänge, Rissbildungen, Setzungsgeräusche und Fernauslösungen / ein tödliches Lawinenunglück

Unsere Prognosen einer sehr störanfälligen Schneedecke haben sich am Sonntag, den 11.01. eindrucksvoll bestätigt. Bei zahlreichen Lawinenabgängen mit Personenbeteiligung wurde 1 Person getötet und 2 Personen verletzt.

Die gebietsweise heikle Lawinensituation und die häufig sehr störanfällige Schneedecke bleiben weiterhin bestehen!

Lawinenabgänge im Überblick

Kein alltäglicher Tag! 15 seitens der Leitstelle Tirol gemeldete Lawinenabgänge mit Personenbeteiligung. (Die tatsächliche Anzahl an personenausgelösten Lawinen war wohl um ein Vielfaches höher). Ein Lawinenabgang unterhalb des Wetterkreuzes im Nahbereich des Gilferts in der Region „Tuxer Alpen Ost“ verlief tödlich. Bei zwei Lawinenabgängen im Arlberggebiet (Galzig und Kapall) wurde jeweils eine Person verletzt.

Zusammenstellung der seitens der Leitstelle Tirol gemeldeten Lawinenabgänge am Sonntag, den 11.01.2026. Die erste Tagesmeldung wurde mit "1" , die letzte mit "15" angeführt. Schwarz hervorgehoben sind Lawinenabgänge, bei denen Personen von Lawinen erfasst wurden und bei denen ein Lawineneinsatz initiiert wurde. Weiß umrahmt sind die gemeldeten "Negativlawinen". Rot markiert ist der Lawinenabgang mit Todesfolge. (© Landeswarn- und Lagezentrum)
Zusammenstellung der seitens der Leitstelle Tirol gemeldeten Lawinenabgänge am Sonntag, den 11.01.2026. Die erste Tagesmeldung wurde mit „1“ , die letzte mit „15“ angeführt. Schwarz hervorgehoben sind Lawinenabgänge, bei denen Personen von Lawinen erfasst wurden und bei denen ein Lawineneinsatz initiiert wurde. Weiß umrahmt sind die gemeldeten „Negativlawinen“. Rot markiert ist der Lawinenabgang mit Todesfolge. (© Landeswarn- und Lagezentrum)

Tödlicher Lawinenunfall Wetterkreuz – Gilfert

Nähere Details zum tödlichen Lawinenabgang werden wir nach unserer Unfallanalyse in einem eigenen Blogbeitrag publizieren. Die Unfallanalyse werden wir abhängig vom Wetter während der kommenden Tage gemeinsam mit der Alpinpolizei durchführen.

Fest steht, dass es sich um eine Schneebrettlawine handelte, die unterhalb des Wetterkreuzes im Nahbereich des Gilferts in der Region „Tuxer Alpen Ost“ abgegangen ist. Eine Person wurde in einem engen Graben (Geländefalle) verschüttet und konnte aufgrund eines fehlenden Lawinen-Verschütteten-Suchgerätes erst durch die organisierte Rettung aufgefunden werden.

Lawinenabgang Wetterkreuz - Gilfert: Der Kreis zeigt die Verschüttungsstelle der verstorbenen Person. Das Foto wurde während des laufenden Sucheinsatzes aufgenommen. (© BR Mayrhofen, 11.01.2026)
Lawinenabgang Wetterkreuz – Gilfert: Der Kreis zeigt die Verschüttungsstelle der verstorbenen Person. Das Foto wurde während des Sucheinsatzes aufgenommen. (© BR Mayrhofen, 11.01.2026)

Auswahl weiterer Lawinenabgänge

Im Bereich des Kapalls im Arlberggebiet wurde eine Person total, eine weitere Person oberflächlich verschüttet. Die total verschüttete Person wurde leicht verletzt ins Krankenhaus Zams geflogen, die zweite Person blieb unverletzt. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sich weitere Personen unter der Lawine befinden, wurde ein groß angelegter Sucheinsatz in die Wege geleitet, der ohne Ergebnis abgebrochen werden konnte.

Lawinenabgang Kapall. 2550m NO. (© Alpinpolizei, 11.01.2026)
Lawinenabgang Kapall. 2300m NO. Im Hintergrund erkennt man einen weiteren Lawinenanriss. Möglich, dass diese Lawine zeitgleich abgegangen ist. (© Alpinpolizei, 11.01.2026)
Kapall: Während des Sucheinsatzes (© Alpinpolizei, 11.01.2026)
Kapall: Während des Sucheinsatzes (© Alpinpolizei, 11.01.2026)

Unterhalb des Galzig löste sich eine Schneebrettlawine im Variantenbereich, die eine Person erfasste und oberflächlich verschüttete. Die Person wurde mit Verletzungen in das Krankenhaus Zams geflogen.

Lawine Galzig: Lawinenanriss unterhalb des  Netzes im Variantenbereich (© Alpinpolizei, 11.01.2026)
Lawine Galzig: Lawinenanriss unterhalb des Netzes im Variantenbereich (© Alpinpolizei, 11.01.2026)
Lawinenauslösung mit beachtlicher Bruchfortpflanzung unterhalb des Peischelkopfes im Arlberggebiet. 2400m, S (© Peter Ehrengruber)
Lawinenauslösung mit beachtlicher Bruchfortpflanzung unterhalb des Peischelkopfes im Arlberggebiet. 2400m, S (© Peter Ehrengruber, 11.01.2026)
Fernauslösung aus flachem Gelände mit großflächiger Bruchausbreitung bei den Hohen Köpfen im hinteren Paznauntal (© Thomas Wanner, 11.01.2026)
Fernauslösung mit großflächiger Bruchausbreitung bei den Hohen Köpfen im hinteren Paznauntal. 2500m, NO (© Thomas Wanner, 11.01.2026)
Lawinenauslösung Mitterzeigerkopf in der Grieskogelgruppe. Person konnte aus der Lawine ausfahren. 2600m, SO (© Lukas Ruetz, 11.01.2026).
Lawinenauslösung Mitterzeigerkopf in der Grieskogelgruppe. Person konnte aus der Lawine ausfahren. 2600m, SO (© Lukas Ruetz, 11.01.2026).
Kleine fernausgelöste Lawinen beim Faltegartenkögele in der Grieskogelgruppe (© Kris Unterhauser)
Kleine fernausgelöste Lawinen beim Faltegartenkögele in der Grieskogelgruppe; 2200m, N (© Kris Unterhauser, 11.01.2026)

Im niederschlagsreichen Westen des Landes gab es zudem überwiegend gute Sprengerfolge.

Gesprengte Schneebrettlawinen mit Anrissmächtigkeiten um 1,5m an der Grenze zu Vorarlberg (© Marvin Kärle, 11.01.2026)
Gesprengte Schneebrettlawinen mit Anrissmächtigkeiten um 1,5m an der Grenze zu Vorarlberg (© Marvin Kärle, 11.01.2026)
Spontaner Lawinenabgang im Fimbatal Richtung Heidelberger Hütte. (Man erkennt eine Staubwolke im Hintergrund) (© Christian Riepl, 10.01.2026)
Spontaner Lawinenabgang im Fimbatal Richtung Heidelberger Hütte. (Man erkennt eine Staubwolke im Hintergrund) (© Christian Riepl, 10.01.2026)

Rissbildungen und Setzungsgeräusche

Zahlreich waren auch die Meldungen von Rissbildungen und zum Teil sehr markanten Setzungsgeräuschen. Es handelt sich da durchwegs auch um sehr ernst zu nehmende Alarmzeichen. Meist sind in diesen Fällen Lawinen nur deshalb nicht abgegangen, weil das Gelände zu flach für den Abgang von Schneebrettlawinen war. Wohl sind einige Rissbildungen und Setzungsgeräusche auch mit Fernauslösungen einhergegangen.

Man erkennt bei dem im Variantenbereich des Skigebietes See im Paznauntal aufgenommenen Fotos sowohl Rissbildungen und eine fernausgelöste Schneebrettlawine. (© Daniel Kleinlercher, 11.01.2026)
Man erkennt bei dem im Variantenbereich des Skigebietes See im Paznauntal aufgenommenem Foto sowohl Rissbildungen als auch eine fernausgelöste Schneebrettlawine. (© Daniel Kleinlercher, 11.01.2026)
Rissbildungen im Rotmoostal in der Gurgler Gruppe (© Hugo Reindl, 11.01.2026)
Rissbildungen im Rotmoostal in der Gurgler Gruppe (© Hugo Reindl, 11.01.2026)
Rissbildung in der Grieskogelgruppe (© Lukas Ruetz, 11.01.2026)
Rissbildung in der Grieskogelgruppe (© Lukas Ruetz, 11.01.2026)

Analyse des Wettergeschehens

Betrachten wir diverse Karten und Wetterstationsgrafiken, so ergibt sich folgendes, gut mit den Prognosen zusammenpassendes Bild:

72h Schneedifferenz für Tirol: Der Niederschlagsschwerpunkt lag im Westen, Norden und Nordosten.
72h Schneedifferenz für Tirol: Der Niederschlagsschwerpunkt lag im Westen, Norden und Nordosten.
72h-Niederschlagsdifferenz via der Daten des Hydrographischen Dienstes (Hydro Online)
72h-Niederschlagsdifferenz via der Daten des Hydrographischen Dienstes (Hydro Online)
Wetterstationsgrafik Galzig: Erster Niederschlag (Schneefall) während einer Warmfront, dann folgten weitere Niederschläge bei wieder sinkenden Temperaturen. Starker bis stürmischer Wind. Dann Wetterbesserung.
Wetterstationsgrafik Galzig: Erster Niederschlag (Schneefall) während einer Warmfront, dann folgten weitere Niederschläge bei wieder sinkenden Temperaturen. Starker bis stürmischer Wind. Dann Wetterbesserung.
Wetterstationsgrafik Sonntagsköpfl im Nahbereich des tödlichen Lawinenunfalls Wetterkreuz - Gilfert. Es wird kaum Niederschlag angezeigt. Starker bis stürmischer Wind.
Zum Vergleich die Wetterstationsgrafik Sonntagsköpfl im Nahbereich des tödlichen Lawinenunfalls Wetterkreuz – Gilfert. Niederschlag ist an diesem Standort nicht zu erkennen. Dieser fiel zumindest gering aus. In den Böen starker Westwind.

Wie geht es weiter?

Am Montag, den 12.01. bringt laut Geosphere Austria (GSA) eine Warmfront mit auflebendem Westwind vor allem auf der Alpennordseite eine spürbare Milderung im Gebirge. Am Vormittag setzt Niederschlag mit einem Anstieg der Schneefallgrenze auf etwa 1500m ein. Mäßiger bis lebhafter Wind aus dem Westsektor. Am Dienstag dann wieder Wetterbesserung.

Für die Schneedecke bedeutet dieses Wetter vorerst keine Besserung. Durch die, während des Tages ansteigenden Temperaturen und der steigenden Schneefallgrenze bildet sich tendenziell sogar ein etwas besseres Brett aus. Die ausgeprägten Schwachschichten innerhalb der Schneedecke bleiben ebenso bestehen.

Fakt ist, dass uns somit die hohe Störanfälligkeit der Schneedecke vorerst erhalten bleibt. Südseitig, dort wo es vor den Schneefällen aper war, ist die Situation als deutlich günstiger einzustufen, vorausgesetzt die Schneedecke ist mächtig genug, dass „sharks“ keine Gefährdung darstellen.

Fakt ist auch, dass wir immer noch in weiten Teilen Tirols eine unterdurchschnittlich mächtige Schneedecke haben.