Unsere Prognosen einer sehr störanfälligen Schneedecke haben sich am Sonntag, den 11.01. eindrucksvoll bestätigt. Bei zahlreichen Lawinenabgängen mit Personenbeteiligung wurde 1 Person getötet und 2 Personen verletzt.
Die gebietsweise heikle Lawinensituation und die häufig sehr störanfällige Schneedecke bleiben weiterhin bestehen!
Lawinenabgänge im Überblick
Kein alltäglicher Tag! 15 seitens der Leitstelle Tirol gemeldete Lawinenabgänge mit Personenbeteiligung. (Die tatsächliche Anzahl an personenausgelösten Lawinen war wohl um ein Vielfaches höher). Ein Lawinenabgang unterhalb des Wetterkreuzes im Nahbereich des Gilferts in der Region „Tuxer Alpen Ost“ verlief tödlich. Bei zwei Lawinenabgängen im Arlberggebiet (Galzig und Kapall) wurde jeweils eine Person verletzt.

Tödlicher Lawinenunfall Wetterkreuz – Gilfert
Nähere Details zum tödlichen Lawinenabgang werden wir nach unserer Unfallanalyse in einem eigenen Blogbeitrag publizieren. Die Unfallanalyse werden wir abhängig vom Wetter während der kommenden Tage gemeinsam mit der Alpinpolizei durchführen.
Fest steht, dass es sich um eine Schneebrettlawine handelte, die unterhalb des Wetterkreuzes im Nahbereich des Gilferts in der Region „Tuxer Alpen Ost“ abgegangen ist. Eine Person wurde in einem engen Graben (Geländefalle) verschüttet und konnte aufgrund eines fehlenden Lawinen-Verschütteten-Suchgerätes erst durch die organisierte Rettung aufgefunden werden.

Auswahl weiterer Lawinenabgänge
Im Bereich des Kapalls im Arlberggebiet wurde eine Person total, eine weitere Person oberflächlich verschüttet. Die total verschüttete Person wurde leicht verletzt ins Krankenhaus Zams geflogen, die zweite Person blieb unverletzt. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sich weitere Personen unter der Lawine befinden, wurde ein groß angelegter Sucheinsatz in die Wege geleitet, der ohne Ergebnis abgebrochen werden konnte.


Unterhalb des Galzig löste sich eine Schneebrettlawine im Variantenbereich, die eine Person erfasste und oberflächlich verschüttete. Die Person wurde mit Verletzungen in das Krankenhaus Zams geflogen.





Im niederschlagsreichen Westen des Landes gab es zudem überwiegend gute Sprengerfolge.


Rissbildungen und Setzungsgeräusche
Zahlreich waren auch die Meldungen von Rissbildungen und zum Teil sehr markanten Setzungsgeräuschen. Es handelt sich da durchwegs auch um sehr ernst zu nehmende Alarmzeichen. Meist sind in diesen Fällen Lawinen nur deshalb nicht abgegangen, weil das Gelände zu flach für den Abgang von Schneebrettlawinen war. Wohl sind einige Rissbildungen und Setzungsgeräusche auch mit Fernauslösungen einhergegangen.



Analyse des Wettergeschehens
Betrachten wir diverse Karten und Wetterstationsgrafiken, so ergibt sich folgendes, gut mit den Prognosen zusammenpassendes Bild:




Wie geht es weiter?
Am Montag, den 12.01. bringt laut Geosphere Austria (GSA) eine Warmfront mit auflebendem Westwind vor allem auf der Alpennordseite eine spürbare Milderung im Gebirge. Am Vormittag setzt Niederschlag mit einem Anstieg der Schneefallgrenze auf etwa 1500m ein. Mäßiger bis lebhafter Wind aus dem Westsektor. Am Dienstag dann wieder Wetterbesserung.
Für die Schneedecke bedeutet dieses Wetter vorerst keine Besserung. Durch die, während des Tages ansteigenden Temperaturen und der steigenden Schneefallgrenze bildet sich tendenziell sogar ein etwas besseres Brett aus. Die ausgeprägten Schwachschichten innerhalb der Schneedecke bleiben ebenso bestehen.
Fakt ist, dass uns somit die hohe Störanfälligkeit der Schneedecke vorerst erhalten bleibt. Südseitig, dort wo es vor den Schneefällen aper war, ist die Situation als deutlich günstiger einzustufen, vorausgesetzt die Schneedecke ist mächtig genug, dass „sharks“ keine Gefährdung darstellen.
Fakt ist auch, dass wir immer noch in weiten Teilen Tirols eine unterdurchschnittlich mächtige Schneedecke haben.
