Vergangene Woche dominierte neuerdings Hochdruckwetter mit nur kurzfristigen Eintrübungen und gebietsweise wenig Niederschlag. Allerdings bildeten sich durch starken bis stürmischen Wind v.a. in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes frische, meist kleine Triebschneepakete. Die Hauptgefahr für WintersportlerInnen geht aktuell von diesen Triebschneepaketen aus, welche mit etwas Erfahrung gut zu erkennen sein sollten. Aufgrund der Schneearmut haben wir es weiterhin mit überwiegend schlechten Bedingungen für Skitouren zu tun.
Wenige Gefahrenstellen, wo Lawinen ausgelöst werden können
Aktuell sind uns nur wenige Lawinenabgänge in Tirol bekannt. Dies hat vor allem mit der günstigen Lawinensituation zu tun. Aktuell pendelt die Gefahrenstufe zwischen Stufe 1 „gering“ und Stufe 2 „mäßig“. Das Hauptproblem stellen die während der vergangenen Woche bei z.T. starkem bis stürmischem Wind gebildeten neuen, meist kleinen Triebschneepakete dar. Hier ein paar Impressionen der vergangenen Woche mit einem außergewöhnlichen Lawinenabgang auf der gesperrten Streifabfahrt oberhalb von Kitzbühel, der so gar nichts mit dem gerade erwähnten Triebschnee zu tun hatte.
Kunstschneelawine(n)


Bei dem Lawinenabgang auf der Streifabfahrt handelte es sich um eine Kunstschneelawine. Vom Auslösemechanismus war es eine Schneebrettlawine. Somit lagerte Kunstschnee auf einer zuvor gebildeten Schwachschicht. Als sich 3 Personen in diesem offiziell gesperrten Pistenbereich aufhielten, löste sich die Lawine. Alle 3 Personen wurden mitgerissen, wobei eine Person durch den Aufprall an einem Baum schwere Verletzungen erlitt, eine weitere Person leicht verletzt und eine unverletzt war.
Kunstschneelawinen sind zwar immer noch eher selten, häufen sich jedoch während der vergangenen Jahre. Vom Auslösemechanismus unterscheiden wir zwischen Kunstschneelawinen, welche als Schneebrettlawinen abgehen von jenen, die auf steilen Wiesenhängen als Gleitschneelawinen abgleiten. Während dieses Winters sind uns in Summe bereits 4 Kunstschneelawinen bekannt, eine am 06.12.2025 am Leppleskofel in Osttirol (sh. Blog), eine am 21.12.2025 bei der (gesperrten) Talabfahrt im Skigebiet Zell am Ziller und eine am 26.12. am Gaisberg bei Obergurgl (welche teilweise aus Kunstschnee bestand und neben einer Piste abging). Letztere drei Lawinenabgänge waren jeweils ohne Personenbeteiligung.
Frischer Triebschnee als Hauptgefahr
Prägend war vergangene Woche der zum Teil kräftige Wind aus nördlichen Richtungen. Dennoch bildete sich in den windbeeinflussten Gebieten nicht automatisch Triebschneepakete, weil nicht überall verfrachtbarer Schnee vorhanden war. Das Potential dafür nahm von Norden Richtung Süden (u.a. mehr Neuschnee am 24.12.2025) tendeziell zu.




Das Wetter der vergangenen Woche in Stichworten
Meist Hochdruckeinfluss. Zunehmend windig auf den Bergen. Im Norden und Nordosten etwas Neuschneezuwachs. Vor Neujahr deutlicher Temperaturrückgang. Gebietsweise ausgeprägte Temperaturinversion.





Schneearmut – Gefahr von „sharks“ – Absturzgefahr auf harter Schneeoberfläche
Laut Geosphere Austria (GSA) handelte es sich um einen der 15 niederschlagsärmsten Dezember der Messgeschichte. Auf den Bergen war es der zweitwärmster Dezember der Messgeschichte mit sehr viel Sonnenschein. Das Fazit für die Schneebedeckung: Wir haben es weiterhin mit einer für die Jahreszeit deutlich unterdurchschnittlichen Schneemächtigkeit zu tun. Entsprechend ist die Gefahr von „sharks“, also Steinkontakt bei der Abfahrt stark erhöht. Auch passieren immer öfters Unfälle von SkitourengeherInnen, welche auf einer harten Schneeoberfläche ausgleiten. Dies trifft v.a. für besonntes, sehr steiles Gelände in größeren Höhen zu.




Die Schneedecke
Die aufbauende Umwandlung schritt während der Schönwetterphase weiter voran. Die (Basis der) Schneedecke besteht deshalb immer häufiger aus kantigen Kristallen, mitunter auch aus Schwimmschnee. Regelmäßig findet man auch noch eine Abfolge von dünnen, in der Schneedecke eingelagerten Krusten. Letztere bauen sich auch zusehends um, verschwinden zum Teil bzw. werden stetig dünner. In sehr steilen besonnten Hängen trifft man teilweise auch auf sehr harte Schneeoberflächen, ebenso ist dies vermehrt in hohen, windbeeinflussten Lagen der Fall. Mancherorts bildete sich an der Schneeoberfläche auch wieder Oberflächenreif, vermehrt in Senken.




Ausblick
Laut Geosphere Austria (GSA) haben wir es morgen am Freitag, den 02.01. mit „sehr unwirtlichem Bergwetter zu tun: Aus Norden trübt es vormittags zunehmend ein, die Gipfel geraten zeitweise in Wolken. Nachmittags beginnt es entlang der Nördlichen Kalkalpen leicht zu schneien. Über Osttirol ebenfalls Wolkenaufzug und zunehmend diffuses Licht. Dazu weht starker bis stürmischer Westwind, der das Kälteempfinden noch deutlich verschärft. Am Samstag klingen dann letzte Schneeschauer in der Früh rasch ab, es wird in ganz Tirol durchwegs sonnig.“

In den niederschlagsreicheren Regionen ist deshalb vermehrt auf frische, häufig recht störanfällige Triebschneepakete zu achten. Gefahrenstellen findet man v.a. in Schattenhängen, aufgrund der vorherrschenden Windrichtung aber auch in Steilhängen, die Richtung Osten ausgerichtet sind. Der Triebschnee lagert meist auf einer schwachen, tendenziell bindungslosen Schneedecke, mitunter auch auf Krustensandwiches, also auf einer Schneedecke mit einer Abfolge von Krusten und lockeren, kantigen Kristallen.

