Etwas Neuschnee in Osttirol – gebietsweise mäßige Lawinengefahr

Pünktlich zu Heiligabend fielen die Temperaturen auf winterliches Niveau, in Osttirol schneite bis in Tallagen. Auf den Bergen kamen dort rund 10 bis 20cm hinzu, in Nordtirol so gut wie nichts. Mit dem straffen Ostwind entstanden stellenweise Triebschneeansammlungen, vor allem in den Regionen mit Neuschnee. Sie sind in den meisten Fällen nur klein, können aber in ungünstigem Gelände ausreichen, um einen Absturz mit möglicher Verletzungsfolge zu provozieren. Abseits der Pisten bleiben die skifahrerischen Bedingungen weiterhin recht miserabel.

Aktuelle Situation

Weiße Weihnachten in Osttirol

Am Heiligabend schneite es in Osttirol bis ins Lienzer Becken. Möglich machte dies das Zusammenspiel aus kalter Luft aus dem Osten und feuchten Luftmassen aus dem Mittelmeerraum. Von ergiebigen Neuschneefällen können wir zwar nicht berichten , doch angesichts der aktuellen Schneelage freuen wir uns auch über kleine Zuwächse.

Im südlichen Osttirol fielen 10 bis 20cm Neuschnee, nach Norden hin wurden die Mengen geringer. Begleitet wurde der Schneefall von teils starkem Wind aus östlichen Richtungen.

Pünktlich an Heiligabend schneite es in Osttirol bis zu 20cm. Nordtirol ging weitestgehend leer aus.
Pünktlich an Heiligabend schneite es in Osttirol bis zu 20cm. Nordtirol ging weitestgehend leer aus.
An der Wetterstation Conny Alm am Golzentipp ist der Temperaturrückgang deutlich zu erkennen. Der Wind blies aus östlichen Richtungen.
An der Wetterstation Conny Alm am Golzentipp ist der Temperaturrückgang deutlich zu erkennen. Der Wind blies aus östlichen Richtungen.
Das winterlich verschneite Lienzer Becken am Weihnachtstag (©foto-webcam.eu, 25.12.2025).
Das winterlich verschneite Lienzer Becken am Weihnachtstag (©foto-webcam.eu, 25.12.2025).
Südstau am Tuxer Hauptkamm (©Stefan Ortner, 23.12.2025).
Südstau am Tuxer Hauptkamm. Die Schneebedeckung ist noch mager (©Stefan Ortner, 23.12.2025).
Wetterstation Elferspitze in den Stubaier Alpen: auch hier ist der markante Temperaturrückgang am 24.12. zu erkennen. Der Wind blies an der Station in Böen stürmisch.
Wetterstation Elferspitze in den Stubaier Alpen: auch hier ist der markante Temperaturrückgang am 24.12. zu erkennen. Der Wind blies an der Station in Böen stürmisch.

Auswirkungen auf die Lawinengefahr

Auf den Bergen Osttirols wurde der lockere Neuschnee vom Wind verfrachtet. Es bildeten sich frische Triebschneeansammlungen. An Schattenhängen in der Höhe wurden diese auf der kantig aufgebauten, geringmächtigen Altschneedecke abgelagert, an Sonnenhängen hingegen fiel der Neuschnee oft auf aperen Boden. Die derzeit relevanten Gefahrenbereiche konzentrieren sich daher auf ebendiese nordexponierten Hanglagen, wo im sehr steilen Gelände kleine Triebschneepakete stellenweise ausgelöst werden können. Bei strahlend blauem Himmel und bester Sicht sind sie gut zu erkennen und können so gemieden werden. Gefährlich werden können solche kleinen Triebschneepakete vor allem im absturzgefährdeten Gelände.

In Nordtirol hat sich im Vergleich zur Vorwoche wenig verändert: die Lawinengefahr bleibt gering. Mit dem böigen, teils starken Südostwind entstanden oberhalb von rund 2600m vereinzelt kleine, störanfällige Triebschneepakete an Schattenhängen hinter Geländekanten. Schneebrettlawinen im Altschnee können derzeit kaum mehr ausgelöst werden – das Schneebrett hat sich mit dem Schönwetter kantig aufgebaut, sodass sich Brüche nur noch schlecht fortpflanzen können.

Der Neuschnee vom 24.12. fiel an Sonnenhängen, wie hier im Bereich der südlichen Granatspitzgruppe, zumeist auf aperen Boden (©Robert Trost, 21.12.2025).
Der Neuschnee vom 24.12. fiel an Sonnenhängen, wie hier im Bereich der südlichen Granatspitzgruppe, zumeist auf aperen Boden (©Robert Trost, 21.12.2025).
Kleine frische Triebschneepakete – wie hier exemplarisch am Bild vom Hinteren Daunkopf in den Stubaier Alpen – können in den nächsten Tagen gebietsweise noch ausgelöst werden (©Barbara Fink, 20.12.2025).
Kleine frische Triebschneepakete – wie hier exemplarisch am Bild vom Hinteren Daunkopf in den Stubaier Alpen – können in den nächsten Tagen gebietsweise noch ausgelöst werden (©Barbara Fink, 20.12.2025).

Weitere Entwicklung

Der Schneemangel setzt weiterhin klare Grenzen und auch der Neuschnee in Osttirol bietet aktuell mehr Genuss fürs Auge als für die Ski. Zumindest bis Ende des Jahres ändert sich an dieser Situation nichts. Über das Wochenende hinweg steht uns Postkartenwetter mit milden Temperaturen bevor.

Richtung Jahreswechsel sinken die Temperaturen allerdings wieder spürbar, und zu Beginn des neuen Jahres deutet sich sogar eine mögliche Wetterumstellung mit Neuschneefall an. Langzeitprognosen ist nie zu trauen, aber hoffen ist erlaubt!

Die Messreihe unseres Beobachters in Obergurgl (1940m) reicht bis 1961 zurück. Die Aufzeichnungen des bisherigen Winters zeigen überdurchschnittliche Temperaturen bei unterdurchschnittlichen Schneehöhen.
Die Messreihe unseres Beobachters in Obergurgl (1940m) reicht bis 1961 zurück. Die Aufzeichnungen des bisherigen Winters zeigen überdurchschnittliche Temperaturen bei unterdurchschnittlichen Schneehöhen.
Am Wochenende steigt die Frostgrenze über 3000m an, zum Jahreswechsel hin fallen die Temperaturen wieder auf winterliches Niveau (©GeoSphere Austria).
Am Wochenende steigt die Frostgrenze über 3000m an, zum Jahreswechsel hin fallen die Temperaturen wieder auf winterliches Niveau (©GeoSphere Austria).
Ab Samstagnachmittag, 27.12. kommt in Osttirol Nordföhn auf (©Landeswetterdienst Südtirol).
Ab Samstagnachmittag, 27.12. kommt in Osttirol Nordföhn auf (©Landeswetterdienst Südtirol).
Die Prognose der akkumulierten Neuschneesumme für die Kalkkögel lässt zumindest fürs neue Jahr wieder Hoffnung aufkommen.
Die Prognose der akkumulierten Neuschneesumme für die Kalkkögel lässt zumindest fürs neue Jahr wieder Hoffnung aufkommen.

Das Team des Lawinenwarndienstes des Landes Tirol wünscht frohe Weihnachten und erholsame Feiertage!