Unregelmäßige Schneeverteilung und wenig Schnee (© LWD Tirol, 18.12.2025)

Geringe Gefahr, Einzelne Gefahrenstellen v.a. im Hochgebirge

In Tirol herrscht unverändert geringe Lawinengefahr. Die Tourenmöglichkeiten sind weiterhin eingeschränkt. Einzelne Gefahrenstellen für Schneebrettlawinen findet man v.a. im Hochgebirge, vermehrt im kammnahen Gelände und hinter Geländekanten. Die Absturzgefahr überwiegt bei Lawinenabgängen häufig gegenüber der Verschüttungsgefahr. Vorsicht: Verletzungsgefahr durch „sharks“ aufgrund der geringmächtigen Schneedecke.

Günstige Lawinenverhältnisse, meist ungünstige Tourenverhältnisse

Gegenüber unserem letzten Blogeintrag hat sich sowohl an der Lawinensituation, als auch an der Schneelage und den Tourenbedingungen nur wenig geändert. Die Lawinengefahr ist weiterhin gering, die Schneelage zumindest bis in hohe Lagen dürftig und die Tourenmöglichkeiten deshalb entsprechend eingeschränkt.

Das Wetter

Beim Wettergeschehen der vergangenen Woche stechen drei Sachen ins Auge: Es überwog prachtvolles Wetter. Getrübt war das Wetter einzig durch starken bis stürmischen Wind aus südlichen Richtungen am 15.12. und 16.12. und durch leichten Niederschlag am 17.12.2025. Der Niederschlag fiel meist bis etwa 2000m in Form von Regen. Die trockene Schneefallgrenze (also jene Grenze, ab der der Schnee nicht mehr feucht, sondern trocken vom Himmel fiel) schwankte meist zwischen 2200m und 2500m.

Wetterstationsgrafik vom Pitztaler Gletscher der vergangenen Woche: Anfangs durchgängig schönes Wetter, zunehmender Windeinfluss am 15.12. und 16.12. Am 17.12. etwas Niederschlag, dann wieder Wechsel zu Hochdruckeinfluss.
Wetterstationsgrafik vom Pitztaler Gletscher der vergangenen Woche: Anfangs durchgängig schönes Wetter, zunehmender Windeinfluss am 15.12. und 16.12. Am 17.12. etwas Niederschlag, dann wieder Wechsel zu Hochdruckeinfluss.
Die berechnete trockene Schneefallgrenze während der vergangenen Woche: Niederschlag gab es nur am 17.12., der dort in Form der blauen Balken eingezeichnet ist. Die geringe Farbschattierung der Balken weist auf die geringe Niederschlagsintensität hin.
Die berechnete trockene Schneefallgrenze während der vergangenen Woche: Niederschlag gab es nur am 17.12., der dort in Form der blauen Balken eingezeichnet ist. Die geringe Farbschattierung der Balken weist auf die geringe Niederschlagsintensität hin.

Die Schneedecke

Neben der für die Jahreszeit unterdurchschnittlichen Schneehöhe sticht auch die meist schlechte Schneequalität ins Auge. Markant ist dabei immer noch die Regenkruste, welche sich aufgrund des Regens vom 07.12. auf den 08.12. bis zumindest 2500m hinauf gebildet hat. Bruchharsch bzw. „Haxenbrecherschnee“ sind das Ergebnis. Während klarer Nächte bildeten sich inzwischen unterhalb der Krusten zum Teil kantige Kristalle aus. Gleichzeitig beobachtet man in schattigen Lagen einen zunehmenden Abbau dieser Krusten – diese werden quasi langsam wieder „aufgefressen“.

In Sonnenhängen hingegen schritt die Ausaperung weiter voran – kein Wunder, bei den zum Teil frühjahrsähnlichen Verhältnissen! Entsprechend wurde die Schneedecke (dort wo vorhanden) in sehr steilen Sonnenhängen während des Tages oberflächig angefeuchtet und fror während klarer Nächte, sodass sich ein Harschdeckel bildete. Uns wurde mancherorts bereits von guten „Firnabfahrten“ berichtet.

Schwachschichten für Schneebrettlawinen findet man aktuell v.a. in Form von kantigen Kristallen (meist im Bereich von Krusten), teilweise auch noch in Form von oberflächennah eingeschneitem Oberflächenreif. Häufig fehlt jedoch das für Schneebrettlawinen notwendige Brett. Der Föhneinfluss vom 15.12. und 16.12. bildete allerdings kleinräumig neue Gefahrenbereiche.

Eine Ausnahme bezüglich des Bretts bilden hochalpin vorhandene Schwachschichten, meist in Form von bodennahen kantigen Kristallen und Schwimmschnee (häufig auf Gletschereis). Eine Störung dieser Schwachschicht ist aktuell eher unwahrscheinlich, jedoch prinzipiell noch möglich. Dies bestätigte ein Lawinenabgang ohne Folgen am Hinteren Daunkopf in den Stubaier Alpen am 13.12.2025 (Foto sh. weiter unten).

Aktuell hat auch der Regen vom 17.12. samt den warmen Temperaturen zu einer weiteren (durchgreifenderen) Durchfeuchtung der Schneedecke bis etwa 2200m hinauf geführt. Während der nun wieder klaren Nächte bilden sich dann oberflächennah wiederum Harschdeckel aus. Auch beobachtete man nach Abzug der Störung an der Schneeoberfläche teilweise wieder Oberflächenreif.

Oberflächenreif vom 18.12.2025 auf ca. 3100m in den Stubaier Alpen (© LWD Tirol)
Oberflächenreif vom 18.12.2025 auf ca. 3100m in den Stubaier Alpen (© LWD Tirol)

Exemplarisch ein paar Schneeprofile

Schneeprofil in mittlerer Höhenlage. Nahezu 0°-isotherme Schneedecke. Markant die oberflächennahe Schmelzkruste vom 08.12., darunter bereits kantig.
Schneeprofil in mittlerer Höhenlage. Nahezu 0°-isotherme Schneedecke. Markant die oberflächennahe Schmelzkruste vom 08.12., darunter bereits kantig.
An der Oberfläche die Schmelzkruste  vom 08.12. (samt Oberflächenreif), darunter ein inzwischen recht lockeres Gefüge.
An der Oberfläche die Schmelzkruste vom 08.12. (samt Oberflächenreif), darunter ein inzwischen recht lockeres Gefüge.
Hochalpin bodennahe Schwachschicht. Profilstandort bei einem Lawinenanriss nördlich des Hinteren Daunkopfs vom 13.12.2025
Hochalpin bodennahe Schwachschicht. Profilstandort bei einem Lawinenanriss nördlich des Hinteren Daunkopfs vom 13.12.2025
Mögliche Schwachschichten findet man v.a. oberflächennah. Stubaier Alpen (© LWD Tirol, 18.12.2025)
Mögliche Schwachschichten findet man v.a. oberflächennah. Stubaier Alpen (© LWD Tirol, 18.12.2025)
Markant war an diesem Profilstandort am Predigberg oberhalb von Galtür eine ausgeprägte Schwachschicht aus Oberflächenreif. (Die am 08.12.2025 aufgrund der Warmfront abgegangenen Schneebrettlawinen lösten sind meist bei dieser Schwachschicht) (© LWD Tirol, 11.12.2025)
Markant war an diesem Profilstandort am Predigberg oberhalb von Galtür eine ausgeprägte Schwachschicht aus Oberflächenreif. (Die am 08.12.2025 aufgrund der Warmfront abgegangenen Schneebrettlawinen lösten sind meist bei dieser Schwachschicht) (© LWD Tirol, 11.12.2025)

Meist schlechte Schneequalität und Gefahr von „sharks“

Fotos sagen mehr als tausend Worte…

Bruchharsch trübt das Abfahrtsvergnügen. Hochalter, Grieskogelgruppe (© LWD Tirol, 09.12.2025)
Bruchharsch trübt das Abfahrtsvergnügen. Hochalter, Grieskogelgruppe (© LWD Tirol, 09.12.2025)
Unterwegs im Großglocknerresort (© LWD Tirol, 18.12.2025)
Unterwegs im Großglocknerresort (© LWD Tirol, 18.12.2025)
Unregelmäßige Schneeoberfläche hochalpin aufgrund des Windeinflusses vom 15.12. und 16.12. Stubaier Alpen (© LWD Tirol, 18.12.2025)
Unregelmäßige Schneeoberfläche hochalpin aufgrund des Windeinflusses vom 15.12. und 16.12. Stubaier Alpen (© LWD Tirol, 18.12.2025)
Unterwegs am Standkopf in den Kitzbüheler Alpen (© Reinhold Oblak, 15.12.2025)
Unterwegs am Standkopf in den Kitzbüheler Alpen bei einer z.T. sehr harten Schneeoberfläche (© Reinhold Oblak, 15.12.2025)
Abfahrt vom Pitzenegg im Außerfern (© Adrian Roth, 13.12.2025)
Abfahrt vom Pitzenegg im Außerfern (© Adrian Roth, 13.12.2025)
Höllscharte im Mieminger Gebirge (© Daniel Haas, 13.12.2025)
Höllscharte im Mieminger Gebirge (© Daniel Haas, 13.12.2025)
Am Weg zum Fotscherwindegg im Sellrain. (© Marina Hausberger, 13.12.2025)
Am Weg zum Fotscherwindegg im Sellrain. (© Marina Hausberger, 13.12.2025)

Lawinen

Nach den zahlreichen spontanen Lawinenabgängen in der Nacht vom 07.12. auf den 08.12. (sh. unseren letzten Blogeintrag) werden uns inzwischen nur wenige Lawinenabgänge gemeldet. Die vergleichsweise größte Lawine wurde auf der Nordseite des Hinteren Daunkogels (3180m, NO) in den Stubaier Alpen am 13.12. von Personen ausgelöst. Es kam niemand zu Schaden.

Mittelgroße Schneebrettlawine vom 13.12. unterhalb des Ht. Daunkogels (© LWD Tirol, Foto: 18.12.2025)
Mittelgroße Schneebrettlawine vom 13.12. unterhalb des Ht. Daunkogels (© LWD Tirol, Foto: 18.12.2025)
Kleinräumig frischer, störanfälliger Triebschnee in Hochgurgl in den Ötztaler Alpen (© Hugo Reindl, 16.12.2025)
Kleinräumig frischer, störanfälliger Triebschnee in Hochgurgl in den Ötztaler Alpen (© Hugo Reindl, 16.12.2025)
Personenausgelöste Schneebrettlawine im Nahbereich des Wurmkogels in den Ötztaler Alpen (© Hugo Reindl, 12.12.2025)
Personenausgelöste Schneebrettlawine am 11.12.2025 im Nahbereich des Wurmkogels auf 2750m in einen Nordhang in den Ötztaler Alpen (© Hugo Reindl, 12.12.2025)
Kleine Gleitschnee-Rutsche auf Grashängen können vereinzelt noch auftreten. (© Barbara Fink, 12.12.2025)
Kleine Gleitschnee-Rutsche auf Grashängen können vereinzelt noch auftreten. (© Barbara Fink, 12.12.2025)

Sonstige Infos

Auf den Gletschern ist die Spaltenüberdeckung noch dürftig…

Gut zu erkennen: Zahlreiche, wenig überdeckte Gletscherspalten, Sulztalferner (© LWD Tirol, 18.12.2025)
Gut zu erkennen: Zahlreiche, wenig überdeckte Gletscherspalten, Sulztalferner (© LWD Tirol, 18.12.2025)

Auch eine mögliche Alternative…

Manche Rodelbahnen in Tirol sind immer noch in einem guten Zustand. (17.12.2025)
Manche Rodelbahnen in Tirol sind immer noch in einem vergleichseweise guten Zustand. (17.12.2025)